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10
May

Ersteindruck - »Banana Fish« – Crime Time in New York

Autorin: 

Warum immer auf eine Review nach Abschluss der Serie warten, wenn man sich schon nach der ersten Episode beziehungsweise dem ersten Band einen Eindruck bilden kann? Da setzt Ersteindruck an und gibt schon einmal einen Ausblick darauf, ob es sich lohnt, dem Anime oder Manga eine Chance zu geben, oder nicht.

Banana Fish - Band 1
Titel: Banana Fish
Genre: Action, Drama
Mangaka: Akimi Yoshida
Release: April 1985 (JP)
Bände: in 19 Einzelbänden abgeschlossen
Verlag: Panini Manga
Preis: 19,00 € pro Doppelband

(Basis für diesen Ersteindruck ist der erste Band.)

Aufgrund schlechter Verkaufszahlen sah sich Planet Manga (heute Panini Manga) 2003 gezwungen, die Herausgabe von »Banana Fish« nach 7 Bänden einzustellen. Seit Ende Februar 2020 erscheint eine Neuauflage des Werkes bei Panini Manga in einer 2-in-1-Fassung. Mit dem dazugehörigen Anime von Studio Mappa im Sommer 2018 in Fuji TVs »noitaminA«-Programmblock haben sich die Vorzeichen für eine deutsche Veröffentlichung des genrefluiden Shōjo-Klassiker aus dem Jahr 1985 sicher geändert, ob Akimi Yoshidas menschlicher Blick auf die New Yorker Bandenkriege der 1980er, was das Werk damals so populär gemacht hat, immer noch so menschelt wie vor mehr als 30 Jahren, verrät euch Metal Dango in ihrem Ersteindruck.

(Zusammenfassung)

Zwei Worte: Banana Fish. Wie können zwei einfache Worte das Leben eines Mannes zerstören? Wie können sie die Welt verändern? Ein Rätsel, das Ash Lynx‘ Schicksal mit dem seines Bruders verbindet … intensiv, knallhart, magnetisch!

Panini Manga

Mixed Ein japanisch-amerikanischer Krimi?

Banana Fish - Scan 1

Wenn ich an alte, amerikanische Krimis denke, tauchen mir lauter Good Cop vor dem geisten Auge auf, die es gegen Gangster-Banden aufnehmen. Es wäre zu kurz gegriffen, zu sagen, dass »Banana Fish« genau so eine Geschichte ist! In einem typischen amerikanischen 80er-Jahre-Setting arbeiten Polizisten in New York City gegen die Kriminalität in ihrer Stadt an. Auf Trapp gehalten werden sie durch moralisch verdrossene Gangs und Mafiosi. Ungewöhnlich für einen japanischen Manga! Doch nur auf den ersten Blick. Die typisch amerikanische Crime-Story wird aufgemischt durch japanische Energie: Zwei japanische Reporter fliegen nach NYC, um mit dem dortigen Polizeirevier zusammenzuarbeiten … und werden in das verworrene Geschehen verwickelt. Wie es in einem Krimi üblich ist, geschehen auch hier viele gewalttätige Taten, die den Hauptcharakteren ungewöhnlich viel Tiefgang verleihen – seien es Schlägereien, Morde oder auch homosexuelle Vergewaltigungen. 

Auch der amerikanische Großstadt-»Flair« wird eingefangen – sowohl zeichnerisch als auch durch die Kultur wie etwa im Kleidungsstil: Baggy Pants und übergroße Pullover. Sehen kann man das gut an der New Yorker Skyline, die in den Panels hin und wieder auftaucht, oder im Stadtteil China Town, was die einzelnen Szenen allerdings auch ziemlich in die Länge zieht.

Der Humor in »Banana Fish« beschränkt sich darauf, dass Asiaten oft mit dem sichtbaren Alter und Verwechslungen zu kämpfen haben – es ist das, was es ist: ein in die Jahre gekommenes Plotdevice. Beispielsweise werden die Reporter Eiji Okumura und Shunichi Ibe ständig für Chinesen gehalten und Eiji Okumura wird sogar einmal Ibes Sohn gehalten. 

Plus Ash Lynx, der Streitmagnet

Banana Fish - Scan 2

Ash Lynx ist der Protagonist der Reihe und hat es faustdick hinter den Ohren. In seiner Gang und unter seinen Freunden ist er beliebt, da er viele Jugendgangs in der Gegend vereint hat und sie beschützt. Unter seinen Feinden ist er gefürchtet als »Meisterschütze« und für seinen scharfen Verstand. Sein Verstand brachte ihm das Pseudonym Lynx, also Luchs, ein. Kein Zufall: Luchse gelten in Fabeln als vorsichtig und klug. Im Japanischen wird übrigens von »Bishōnen« gesprochen, einem Idealbild eines schönen jungen Mannes. Diese Charakterstärke und sein Aussehen sind die Begründung, weshalb er sämtliche gefährlichen Personen wie magisch anzuziehen scheint – eine gute Ausgangslage, wenn man eine actionreiche Geschichte erzählen will. Viele Kriminelle haben ein starkes Interesse an Ash und möchten ihn unbedingt für ihre Zwecke einspannen oder ihn aus dem Weg räumen. Unter anderem auch ein alter Mafia-Boss, der deshalb wohl den Spitznamen Dino trägt, doch Ash wieselt sich jugendlich frech durch die Gespräche mit ihm. Seine Kindheit ist auch ein Konfliktpunkt: Als ehemaliger Toyboy und unfreiwilliger Kinderpornografie-Star verfolgt ihn die Vergangenheit noch immer: »Hehe, machst du keine Filme mehr? Bist noch immer knackig genug. Ich war mal dein Fan«. Als jemand, der sich gegen diese Machtspielchen auflehnt, hat Ash auch gleich ein paar neue Verbündete unter den Lesern.

Plus Der Banana Fish geht um

Banana Fish - Scan 3

Schon allein der Titel macht neugierig. Was hat ein Fisch mit einer Banane zu tun? Während des Lesens wird klar: Es handelt sich hierbei um eine Droge. Die Worte »Banana Fish« fallen das erste Mal bei Ashs Bruder Griffin, der im Drogenrausch drei seiner Soldaten-Kollegen in Vietnam erschießt und seitdem nicht mehr bei klarem Verstand ist. Banana Fish waren seine bisher letzten Worte. Dies unterstreicht nochmal den Fokus der Geschichte. Sämtliche Personen, die irgendwie etwas darüber herausgefunden hatten oder darin verwickelt waren, wurden ermordet. Woher kommt die Droge? Was verursacht sie? Diese Fragen schwirren einem durch den Kopf und spinnen sich wie ein Netz durch die Geschichte, während man Ash und der Polizei auf ihren Ermittlungen folgt.

Der Manga flechtet eine Idee aus J.D. Salingers »A perfect day for Banana Fish« ein. Seymour Glass, ein Kriegsveteran des Zweiten Weltkriegs, der sich nach der Entlassung aus der Nervenheilanstalt auf einem Genesungsurlaub mit seiner Frau am Ende das Leben nimmt, gibt schon in der Kurzgeschichte Sätze wie »Wenn man den Banana Fish trifft, will man sterben. Es ist der Fisch des Todes« von sich. Fun Fact: Die Kurzgeschichte erschien im Jahr 1953 ähnlich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in dem Magazin »The New Yorker« wie »Banana Fish« nach dem Vietnamkrieg. Wie sie ist »Banana Fish« keine gesellschaftskritische Geschichte, sondern eine Charakterstudie, die sich mit der Innenwelt seines Protagonisten beschäftigt.

Fazit:

»Banana Fish« ist ein packender Manga in einem dreckigen amerikanischen Krimi-Setting. In der Aufklärung über die mysteriöse Droge halten viele Action-Elemente einen auf Trapp. Diese können mitunter durch den alten Zeichenstil etwas schleppend wirken. Dazu verdüstert ein cooler, starker Hauptcharakter namens Ash vmit seiner Vergangenheit nochmal das kriminelle Stadtbild New Yorks. Sie verleiht ihm Tiefe und biegt den Fokus weg von einer typisch gesellschaftskritischen Geschichte zu einer Charakterstudie, die sich mit der Innenwelt von Ash beschäftigt. >Wen sexuelle Gewalt und in die Jahre gekommener Humor und Dialoge um Gangster-Stereotypen nicht abschrecken und wer auf spannende Actionszenen oder Krimis steht, ist hier definitiv richtig!

Rezensionsexemplar - Panini Manga

Metal Dango

Metal Dango sammelt Manga und macht Cosplay~

Website: https://twitter.com/MetalDango

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