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July

Anime-Review: Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online - Bloß ein neues SAO?

Autor: 
Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online - Cover
Titel: SAO Alternative: Gun Gale Online
Genre: Action
Studio: Studio 3Hz
Release: 2018
Episoden: 12 à 24 Episoden
Publisher: Wakanim
Preis: im Simulcast-Abo

Man könnte meinen, was für den geneigten Fan des Fate-Universums die Animationen von Studio Ufotable sind, sind für den Fan von Kirito & Co die Charakterdesigns von Shingo Adachi. Beides geriet in den vergangenen Jahren ins Wanken: Ufotable musste »Fate/Apocrypha« an A-1 Pictures und »Fate/Extra: Last Encore« an Shaft abgeben und »Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online« landete auf dem Tisch von Studio 3Hz und Regisseur Masayuki Sakoi.

Den Stein ins Rollen brachte letztendlich Autor und Waffennerd Keiichi Sigsawa, dessen sich schon Chefproduzent Nobuhiro Osawa bemächtigte, um die detailgetreue Umsetzung der Waffen in »Sword Art Online II« sicherzustellen. In Zuge dessen hatte der selbstironische Autor von »Kino’s Journey« und langjähriges Mitglied des Auswahlkomitees für den Dengeki-Novelpreis auch die Möglichkeit Reki Kawahara von Angesicht zu Angesicht darum zu bitten, ein Spinoff in der Welt von Gun Gale Online schreiben zu dürfen. Aber kann ein »Sword Art Online« ohne Kirito überhaupt funktionieren? Und ist es dann noch ein »Sword Art Online«?

(Zusammenfassung)

Karen Kohiruimaki hat es nicht leicht im Leben. Die Studentin kann nicht mit Menschen umgehen und schämt sich wegen ihrer überdurchschnittlichen Körpergröße von 183 Zentimetern. Doch in Gun Gale Online, der Welt des Stahls und der Gewehre, wo ihr Avatar Llenn gerade einmal 1,50 Meter groß ist, kann sie sich voll und ganz austoben. Sie liebt süße Dinge und kleidet sich immer ganz in Pink. Doch als sie entdeckt, dass es ihr Spaß macht, andere Spieler zu verfolgen, versinkt sie ganz im PK – Player Killing. Sie erhält sogar den Spitznamen Pinker Dämon. Dann trifft Llenn auf die mysteriöse und schöne Pitohui und findet in ihr eine Gleichgesinnte. Auf Pitohuis Rat hin nehmen sie am Squad Jam teil, einem teambasierten Battle Royale.

Handlung

»Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online« ist das Gun Gale Online, was ich immer wollte. Im Eifer des Gefechts finden sich immer wieder neue Teams und taktische Allianzen werden gebildet, während Anspielungen auf Sinons Hécate II oder Kiritos Lichtschwert-Kampfstil fallen. Es wird in einem solchen Abwechslungsreichtum mit den Mechaniken des Spiels wie den Bulletlines gespielt, dass zu recht zumindest in der Serie sogar die Armee in der Kriegssimulation trainiert. Es läuft aber nicht alles so rosig: Folge 1 startet mitten im ersten Squad Jam mit M als taktischen Kommandanten, was dieselbe Funktion wie in einem Videospiel das Tutorial erfüllt. Zwar funktioniert das noch sehr gut, in den darauffolgenden vier Episoden wird dann allerdings erst mal in die Vorgeschichte eingeführt. All das ist Exposition! Ohne Feindbild und ohne Konflikt, sodass in Folge 6 noch immer Szenen aus Folge 1 gezeigt werden. Ein pacingschwacher Ausflug in die reale Welt soll die Rettung sein und mehr schlecht als recht rettet sich der Anime so ins Squad Jam 2 und das Pacing zieht wieder an. Zwar im starken Kontrast zum ersten Squad Jam mit dem gelassenen M als Teampartner schafft es »Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online« gleichzeitig süß zu sein, aber dennoch den Schwerpunkt auf Taktik und Actionszenen beizubehalten.

Charaktere

Der Großteil an Charakteren in »Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online« lässt sich im Spannungsfeld zwischen süßem Äußeren und übertriebenen Beweggründen für das eigene Handeln verordnen. Glücksmädchen Karen mag beispielsweise gerade süße und pinke Dinge dank der Komplexe, die ihr ihre unnatürliche Körpergröße bereitet. Sie fühlt sich deswegen im Umgang mit anderen unwohl, ist aber dennoch beharrlich, als es darauf ankommt, ein MMO zu finden, indem sie einen kleinen Avatar spielen kann. Die P90, ihre treue Gefährtin, nennt sie liebevoll P-Chan. Trotz ihrer Liebenswürdigkeit ist sie aber nicht das Love-Interest der Serie – tatsächlich verzichtet der Anime sogar darauf. Ähnlich steht es mit M, der sich im Zuge der Botengänge aus Liebe zu Pitohui vom Stalker-Otaku zum Schönling entwickelt hat. Im Spiel agiert er unterwürfig und als ruhiger Stratege. Ganz anders ist Pitohui, welche M an der kurzen Leine hält, was generell ihren munteren, offenen, aber auch manipulativen Charakter unterstreicht. Ein Tattoo ziert ihre Wange, um in der Welt von Gun Gale Online nicht ständig von Männern angebaggert zu werden. Daneben ergänzen den Cast etwaige flache Charaktere wie die Mädchen des Gymnastikclubs angeführt von der (im Spiel) stämmigen 2-Meter-Kampffrau Eva oder Karens Kindheitsfreundin Miyu, welche in ihrer Heimat in Hokkaido lebt und ein großer VR-Nerd ist.

Animation

Die Entscheidung für Studio 3Hz ist eine Entscheidung für ihren technischen, leicht cyberpunkigen Stil, den sie bereits in »Dimension W« und »Princess Principal« unter Beweis gestellt haben, und »Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online« eine Demonstration, wie man aus wenig Zeichnungen das Beste herausholen kann. Sakuga ist das nicht! Gerade, wenn die Zeichnungen zum x-ten Mal schlampig von den Charaktermodellen abweichen oder man statt wirklicher Mimik auf aufpoppende Emojigesichter setzt. Etwas, was auch der Aufschub mittels Recapfolge nicht ändern konnte. Es ist aber nicht alles schlecht – gerade in den Schlüsselszenen: Akribisch nachgebaute Waffenmodelle und Charakterdesigns mit unterschiedlichen Stilkonzepten wie runden Gesichtern mit aufgeblasenen Wangen und figurbetonte Schönheiten versus 2-Meter-Männern (und Frauen) mit Staturen wie Schränken sind nur die Spitze des Eisbergs. Die herausragende Regie in den Aktionsequenzen, bei denen verschiedene Kameraeinstellungen und -winkel in Mitten fliegender Gliedmaßen und sich nähernder Amphibienfahrzeuge das Geschehen lebendig wirken lassen, macht noch einmal viel des Charmes der Serie aus.

Sound

Vom Weiten betrachtet, trifft der Soundtrack immer wieder die richtigen Töne, um die Stimmung in Kämpfen ordentlich aufzuheißen. Richtig blecherne Posaunen, Kriegshörner oder schnell spielende Todesgeigen erwecken in mir immer wieder das Bild, was Hauptmenü-Musiken in Online-Ego-Shootern zeichnen. Aber nicht nur deshalb: Die große Breite an Schuss- und Einschlaggeräuschen erweist sich auch als nützlich. Dazu kommen Stücke, die die Schlacht basslastig mit Geige und einer Sängerin in einer Mischung aus Techno, Trance und J-Rock unterlegen. In diese Kerbe schlägt auch die franchisebekannte Sängerin Aoi Eir, die im Opening Ryuusei einem von E-Gitarren und Schlagzeug geprägten elektrifizierenden Ritt durch die Ödnis ihre kräftige Stimme leiht, sowie die Insertsongs der 19 Jahre alten Debütantin ReoNa, dessen weich, hohe Stimme längere Kämpfe hochwertig unterlegt. Zurück in der Realität stimmt zwar die Richtung, insgesamt fehlt es den von Glockenspiel, Klavier und langsamen Geigenspiel dominierten Stücken allerdings an eigenem Charakter. Vielleicht gilt das auch für die Synchronsprecher, welche neben ihrem Real-Life-Charakter auch ihren Avatar sprechen müssen. Das kann stellenweise merkwürdig wirken, gerade Yoko Hikasa als Sprecherin von Pitohui spielt ihren Charakter aber sehr lebendig.

Fazit

Handlung: Charaktere: Animation: Sound: Gesamt:
7 / 10 7 / 10 6 / 10 8 / 10 71 / 100

»Sword Art Online Alternative: Gun Gale Online« ist kein guter Anime, dafür aber ein richtig gut inszenierter Online-Shooter im Rückenwind des Erfolgs von PUBG & Co. Seine Actionszenen profitieren von einem fliegenden Übergang unterschiedlicher Kameraeinstellungen und -winkel sowie zahlreicher Techno-Trance-Insertsongs. Abseits davon versäumt es der Anime besonders in der ersten Hälfte Konflikte und Antagonisten sowie dessen Beweggründe glaubhaft einzuführen. Gerade deshalb ist das Spinoff sowohl etwas für Neueinsteiger als auch diejenigen, denen Kiritos Heldengeschichten zum Halse heraushängen. Voraussetzung: Man bringt ein gewisses Interesse für Schusswaffen und MMORPGs mit.

Plus Minus
  • gut inszenierte, flüssig animierte Actionszenen
  • große Bandbreite an Geräuschen und rockigen Trance-Songs
  • lahmer Start mit zu langer Einleitung ohne dramatische Wendung
  • Zeichnungen von Charakteren weichen von Charakterdesigns ab

Ähnlich: Princess Principal (Anime)

Dimbula

Dimbula ist hier Mädchen für alles, wenn er mal gerade nicht Manga liest, J-Musik hört oder Final Fantasy zockt.

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