16
December

Anime-Review: Classroom of the Elite

Autor: 
Classroom of the Elite - Cover(Quelle: MAL)
Titel: Classroom of the Elite
Genre: Drama
Studio: Lerche
Release: 2017
Folgen: 12 à 24 Minuten
Publisher: Crunchyroll
Preis: im Simulcast-Abo

„Was ist schlecht? – Alles, was aus der Schwäche stammt.“

Klar, mit einer halben Million verkauften Exemplaren allein in diesem Jahr ist Classroom of the Elite einer der heißesten Lightnovels derzeit in Japan, aber direkt mit einem Zitat von Philosoph Friedrich Nietzsche in die Anime-Umsetzung einzusteigen? Das ist eine Ansage. Nun will uns die Serie aber ausgerechnet an einer der führenden Schulen des Landes zeigen, dass jeder Mensch die gleichen Chancen hat. Ob das funktionieren kann und Classroom of the Elite nun wirklich durch eine tiefsinnige Geschichte besticht oder alles nur heiße Luft ist, klären wir in unserer Review.

(Zusammenfassung)

Die Geschichte spielt an der Tokyo-Koudo-Ikusei-Oberschule, einer renommierten und hochmodernen Schule, dessen Schüler nahezu alle an angesehenen Universitäten oder Unternehmen landen. Ihren Schülern ist es sogar erlaubt, in den Klassen zu reden oder zu schlafen. Zusätzlich zahlt die Schule ihnen jeden Monat 100.000 Yen. Doch auch wenn die Koudo Ikusei wie ein Paradies wirkt, sind seine Privilegien lediglich den besten Schülern vorbehalten.

Kiyotaka Ayanokouji ist so ein Schüler, der nach leichtfertig verhauener Aufnahmeprüfung in Klasse D landete, wo die Schule ihre schlechten Schüler ablädt und sich so über sie lustig macht. Einen Monat später finden Ayanokouji, seine Mitschülerin Suzune Horikita und die anderen Schüler der Klasse D die Wahrheit hinter diesem Schulsystem heraus ...


Handlung

Wie eingangs angesprochen, spielt Classroom of the Elite an einer führenden Eliteschule. Dumm nur, dass fernab der hochstilisierten Klassensprecher nicht wirklich das Gefühl aufkommt, die jungen Eliten des Landes vor sich zu haben. Die Serie macht allgemein viel Drama um sich selbst, ohne die dabei entstandenen Mysterien dann wirklich zu lüften. Uns wurde zum Beispiel gesagt, dass etwas Schreckliches passiert, wenn man der Schule verwiesen wird, Klasse D konnte das allerdings immer wieder verhindern. Wer es auf unseren Hauptcharakter abgesehen hat und warum sich die Schule so ein teures System leistet, wissen wir genauso wenig. Auch zentrale Themen wie Gleichberechtigung sowie Macht & Geld gehen im Alltag unserer elitären Durchschnittstypen unter. Dabei hat man mit dem leistungsbasierten Punktesystem, dass auf dem Campus und seinen Freizeit-Einrichtungen als Währung dient, ein interessantes System für den Kampf der Schulklassen an der Schule geschaffen, auf dessen Brisanz anfangs in Form von billigen Gratis-Artikeln sogar noch hingewiesen wird. Stattdessen setzt man auf Schwimmbad-Folgen als Filler und Sonderprüfungen auf einer tropischen Insel – was zwar bei einem abgedrehten Danganronpa 2 funktioniert, aber nun einmal nicht bei Classroom of the Elite.

Charaktere

Mit Kiyotaka Ayanokouji und Suzune Horikita stehen zwei ähnliche Charaktere im Vordergrund von Classroom of the Elite. Ersterer zeigt keinerlei Emotionen, ist ein Genie, tut aber auf Durchschnittstyp und bleibt gerne im Hintergrund. Dennoch bildet sich im Verlauf der Handlung ein Harem um ihn – Anime-Logik eben. Selbst dem Zuschauer ist er ein Mysterium, weshalb Suzune und deren Charakterwandel als treibende Kraft reichen müssen. Der Tsundere sind Freunde ein Klotz am Bein und sie zeichnet sich allgemein durch einen sehr misstrauischen und aufmerksamen Charakter aus. Sie ist zwar die Klassenbeste, wirkt neben Ayanokouji und ihrem älteren Bruder, dem Schülersprecher, der sie verachtet, dennoch dümmlich. Generell dümmlich wirkt deren naive Mitschülerin Kushida Kikyou, dessen Ziel es als Klassenidol ist, mit allen befreundet sein will – Plottwist: Sie ist eigentlich eine Yandere. Rokusuke Kouenji, der sich anfangs noch eine Grundsatzdiskussion leistet, warum er als reicher Erbe seinen Sitzplatz im Bus für eine ältere Dame nicht freimachen muss, verkommt im Verlauf der Serie zum Running-Gag. Die Klassensprecher der anderen Klassen sind auf der anderen Seite eine Klasse für sich: 1-C wird von Playboy Kakeru Ryuuen und seinen Handlangern durch Angst geführt, 1-B hat Ichinose Honami als Klassenmutti und die Führung von Klasse 1-A teilen sich der konservative Kouhei Katsuragi und Strategin Arisu Sakayanagi.

Animation

Lerches Digital-Animationen haben mittlerweile ein wirklich stattliches Niveau erreicht. Davon profitieren vor allem die Charakterdesigns, dessen Proportionen – wie könnte es auch anders sein – vor allem in den Fanservice-Szenen besonders sorgfältig animiert wurden. Abseits von wohlgeformten Bauchmuskeln, Falten beim Straffen des Badeanzugs und Schlüsselbeinen wirken die Charaktere mit mehrfarbigen Farbabstufungen in Augen und Haaren und vielen Bewegungsanimation überraschend lebendig. Belichtungseffekte machen nicht länger vor Charakter halt und reflektieren beispielsweise an Hausfassaden. Auch der Wechsel von bunten zu kühlen Farben und die langen Schatten in den Gesichtern bei dramatischeren Szenen waren für mich ein gerngesehener Kniff. Typisch Lerche wird für die Hintergründe viel mit geometrischen 3D-Objekten gearbeitet, die blass im Vergleich zum Rest wirken. Später relativiert sich das ein wenig, auch wenn man neben blauen, lilanen und orangenen Himmelszelten vor allem eins sieht: Bäume. Zum Schluss will ich noch einmal die wunderschönen Wasser-Partikeleffekte loben, wenn sie aus dem Duschhahn tropfen oder an Fensterscheiben oder Regenschirmen abprallen.

Sound

Classroom of the Elite klingt so wie man es von einer modernen Visual-Novel mit Highschool-Setting erwartet – zwar synthetisch, aber sehr ganzheitlich, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu stellen, was man schon beim Opening merkt. Denn Caste Room von ZAQ lässt sich mit seinen Beat Drops & Basslines zwar der Elektro-Musik zuordnen, ist aber (im Gegensatz zur Handlung) peppig und voller Tatendrang. Ganz entscheidend ist die Soundkulisse auch für den ersten größeren Plottwist der Serie: Zusammen mit dem Hall in der Stimme von Klassenlehrerin Sae Chabashira, dessen Synchronsprecherin Rina Satō unter anderem schon die unterkühlte Velvet Crowe sprach, den schnellen Klavieranschlägen und Geigenstrichen sowie einsetzende Trommelschläge und E-Gitarren-Rifts akzentuiert es genau wie die Animationen vor allem die seltenen dramatischen Momente in voller Lautstärke. Später im Insel-Ark weicht der Soundtrack oftmals trophischen Atmosphäre-Klängen und ich kann nicht sagen, dass mir das ständige Zwitschern und Zirpen nicht gefallen hat. Auch andere Soundeffekte wie tickende Sekundenzeiger und Windböen sind wirkungsvoll metaphorisch in die Handlung eingebaut.

Fazit

Handlung: Charaktere: Animation: Sound: Gesamt:
6 / 10 6 / 10 8 / 10 8 / 10 71 / 100

Classroom of the Elite hat als Drama-Serie eigentlich Potenzial, verstrickt sich jedoch in all seinen Mysterien und vergisst am Ende sogar, Antworten zu liefern. Ein schwer nachvollziehbarer Hauptcharakter und Nebencharaktere, die zwar eine Existenzberechtigung für die Handlung, jedoch wenig eigenen Charakter haben, machen es schwer, den Anime zu mögen. Dabei stimmt das Drumherum: Pralle Belichtungseffekte, reiche Farben und üppige Details – vor allem in Fanservice-Szenen – sowie synthetische Beats à la Danganronpa unterstreichen sowohl lockere als auch dramatische Szenen. Abseits von Animationen und Soundtrack also bloß heiße Luft.

Plus Minus
  • interessante Prämisse
  • fortschrittliche Digital-Animationen
  • pseudo-tiefsinnige Handlung
  • ähnliche Protagonisten, uninteressante Nebencharaktere

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Dimbula

Dimbula ist hier Mädchen für alles, wenn er mal gerade nicht Manga liest, J-Musik hört oder Final Fantasy zockt.

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