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June

Anime-Review: Sakamichi no Apollon

Autor: 
Sakamichi no Apollon - Cover(Quelle: MAL)
Titel: Sakamichi no Apollon
Genre: Drama, Romanze
Studio: Mappa
Release: 2012
Folgen: 12 à 23 Minuten
Publisher: -
Preis: -

Shinichiro Watanabe ist überzeugt, dass ausdrucksstarke Musik ausdrucksstarke Anime hervorbringt. Möglichst abgedreht sollen seine Werke sein: Ein Jazz-Cowboy im Weltraum wie in Cowboy Bebop? Kein Problem. Ein traditioneller Hip-Hop-Samurai wie in Samurai Champloo? Auch überhaupt kein Problem. Bei all diesen verrückten Ausflügen, die ihre Endhaltestelle in der Ruhmeshalle für Animationskunst fanden, war eine Frau immer mit am Start: Yoko Kanno.

Als Leiterin des Jazz-Orchesters The Seatbelts ist sie die Person, wenn es um das Musikgenre des Jammens geht. Was für ein Zufall also, dass Sakamichi no Apollon genau das ins Rampenlicht rückt. Ein Problem gibt es aber: Die Serie ist nicht nur eine der wenigen Nicht-Originalwerke von Watanabe, sie schlägt auch wesentlich leisere Töne an. Aber das wird er doch wohl hinkriegen. Oder etwa nicht?

(Zusammenfassung)

Kaoru Nishimis erster Schultag an der neuen Oberschule in Yokosuka ist reine Routine für ihn, da er gezwungen durch den Job seines Vaters schon oft von Stadt zu Stadt ziehen und die Schule wechseln musste. Da er als intellektueller Schulwechsler stets die Rolle eines Außenseiters annehmen muss, versucht er seine Schulzeiten in den verschiedenen Schulen immer so wenig unangenehm wie möglich zu überbrücken. Doch dieses Mal scheint sich alles anders zu entwickeln.

Erst kommt er der Klassensprecherin Ritsuko Mukae näher, dann dem berüchtigten und gefürchteten Schulschläger Sentaro Kawabuchi, der es sich nicht nehmen lässt, eine Schlägerei nach der anderen anzuzetteln. Seltsamerweise scheinen die drei sich zu verstehen und das besonders, wenn es um eine bestimmte Musikrichtung geht: Jazz. Kaoru findet sich in einem neuen Lebensabschnitt wieder und fängt an die Schulzeit in Yokosuka zu genießen.

Handlung

Shinichiro Watanabe hat es mit Sakamichi no Apollon nicht leicht. Nicht nur muss er neun Mangabände irgendwie in einen viel zu kleinen zwölfteiligen noitaminA-Timeslot pressen, auch das Coming-off-Age-Genre ist mehr als übersaturiert. Nötig ist also eine klare Vision und die hat der Kult-Regisseur: Im Sommer 1966 in Kyushu hocken Kaoru, Sentaro und Ritsuko im Keller von Ritsukos Vater, dem Schallplattenverkäufer, und musizieren – eine Geschichte über die Freundschaft. Der Jazz ist dabei nicht nur häppchenweise Mittel zum Zweck. Jazz ist ihr Leben. Sie vergessen ihren Streit, überwinden Liebeskummer – die typischen Teenagerprobleme halt. So ist es schön zu sehen, wie das Trio sowohl als Jazz-Musiker als auch als Mensch wächst. Aber genau darin liegt das Problem: Viele Folgen, die sich um ihr Oberschulleben drehen, wirken deplatziert. Dann aber gehört gerade das tränenergreifende Finale der ungeduldeten Beziehung zweier Randcharaktere zu dem Besten, was das Genre zu bieten hat. Schon bald folgt dann auch das Ende samt überbordgeworfenem Schauplatz und ohne rührenden Abschied einfach 8 Jahre in der Zukunft. Ihr glaubt nicht, wie viele lose Enden dadurch entstanden sind. Für das Verständnis wären hier noch einige Kapitel der Manga-Vorlage nötig gewesen.

Charaktere

Normalerweise trägt die Handlung die Charaktere und sorgt dafür, dass diese sich entfalten können. Bei Sakamichi no Apollon hatte ich des Öfteren das Gefühl, dass es andersherum verläuft. Es ist einfach erfrischend zu sehen, wie sich Kaoru, Sentaro und Ritsuko ihrer eigenen Gefühle bewusst sind und sich gemeinsam überwinden. Kaoru Nishimi ist dabei der Brillenträger und Pianist der Gruppe, der sich als von der Mutter verlassener Sohn eines Seemannes durch das viele Umziehen erstmal nicht für seine Mitmenschen interessiert. Er erscheint zunächst nicht gerade liebenswürdig. Sentaro Kawabuchi hat als Sohn eines amerikanischen Soldaten und einer Japanerin ein ähnliches Problem, auch wenn er wie das genaue Gegenteil wirkt. Sein Herz ist zwar groß, aber genauso sein Körper, weshalb der Schlagzeuger den Titel des Schulschlägers innehat. Ritsuko Mukae geht in dieselbe Klasse und ist Sentaros einzige Freundin aus Kindheitstagen. Sie ist eine Frohnatur und sprach Kaoru als Erste an. Zwar ein Landei ist sie bedacht, ihre Freundschaft nicht zu zerstören. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen der Student Junichi, der als Sentaros Vorbild und Trompeten-Spieler gelegentlich aus Tokio vorbeischaut, und Yurika, die sich als Tochter einer wohlhabenden Familie zunächst höflich dann rebellisch zeigt. Das klingt erst mal nach der perfekten Konstellation für Dreiecksbeziehungen, letztendlich erreichen Kaorus Gefühle gegenüber Ritsuko nie die Tiefe wie seine Gefühle für Sentaro.

Animation

Wer die japanische Animationskunst kennt, der weiß, dass Animationsstudios sich gerne mal Arbeit sparen. Auch wenn die einfarbigen, simplen Charaktermodelle vor größtenteils verwaschenen Hintergründen mit extrem harten Schatten ungewohnt anmuten, steckt sehr viel konstante Detailarbeit in Sakamichi no Apollon. Lediglich die aufwendigen Schlüsselszenen werden mit der Zeit weniger, nicht aber die flüssigen Bewegungen. In welchem Anime verändert sich schon der Schattenfall oder das Mitschwingen der Haare beim Gehen. Gerade die Stellen, wo wirklich musiziert wird, sind genauestens animiert und absolut synchron – egal ob Klaviertaste oder High-Hat. Gelegentliche Lichtspiele mit langen Lichtstrahlen und Schattenwürfen à la Pokémon paaren sich mit Reflektionen beispielsweise an Kaorus Brille und gut gezeichneten Statisten. Letztendlich ist es gerade dieser einfache Stil, der den Zuschauer zurück in die 60er Jahre versetzt. Da ist es dann auch nicht mehr nötig, dass Sentaro und Kaoru überzeichnet den Hang springend runterrennen oder braun-gelbliche Rückblenden auf das historische Setting hinweisen.

Sound

Ich glaube, ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass die Musik das Beste an Sakamichi no Apollon ist. Wer auch immer die Recherchearbeit geleistet hat, tat dies gründlich. Nicht nur hat man sich bei den Synchronsprechern gegen die Universalstimmen und für richtige Landeier entschieden, auch das Opening Sakamichi no Melody beginnt mit einem schön langsamen Balladen-Teil, auf den ein schneller Swing-Teil folgt. Und das Trompeten-Solo am Ende erst … Einige Jazz-Stücke wie »Moanin‘« oder »But not for me« stehen exemplarisch für die 50er und 60er, andere sind aber wirklich nur unter Jazz-Liebhabern bekannt. Selbst den geschichtlichen Kontext, dass Jazz als Nachfolger der Klassik sich durch Rock ‘n Roll bedroht sah, fing man wunderbar ein. Und wenn Junichi und Ritsuko dann wie waschechte Soul-Diven lossingen, würde sich jeder sofort in ihre Stimmen verlieben, was dann im Anime auch passiert. *lach* Die Serie kann aber auch ernstere Töne ansprechen: Gerade die von Abschied und Herzschmerz gezeichneten Szenen ächzen nur so vor verträumter Klavier-Romantik. Den Rest leisten Kontrabass, Trompete, Schlagzeug und Saxophon. Zum Beispiel, wenn sich Sentaro in eine Schlägerei stürzt oder mit Kaoru rumtollt.

Fazit

Handlung: Charaktere: Animation: Sound: Gesamt:
8 / 10 9 / 10 8 / 10 10 / 10 86 / 100

Sakamichi no Apollon ist ein Anime über Jazz und die Freundschaft. Nach Guilty Crown hätte auch der Folgeanime in diesem Timeslot in einer Katastrophe enden können, denn neun Mangabände galt es umzusetzen. Entsprechend flott ist die Serie unterwegs. Dass nur das Ende dabei Handlungslücken hinterlässt, gleicht einem Wunder. Denn die Wirkungsstärke der schlichten Animationen und der Jazz-Einlagen verdankt der Anime seinem historischen Setting. Perfekt im historischen Kontext und die Handlung eingebunden wachsen die Charaktere sowohl als Menschen als auch als Jazz-Musiker. So ganz ohne Teenagerproblem kommt aber auch dieser Anime nicht aus. Dass das packende Finale einer Romanze zweier Nebencharaktere schließlich zu den emotionalen Höhepunkt eines ganzen Genres zählen würde, hätte zu dem Zeitpunkt niemand ahnen können.

Plus Minus
  • Charaktere wachsen als Menschen & als Musiker
  • konstant hohe Animationsqualität
  • gut eingebundener Jazz-Soundtrack
  • überhastetes Ende
  • Schulleben wirkt deplatziert

Ähnlich: Shigatsu wa Kimi no Uso (Anime) + Beck (Anime)

Dimbula

Dimbula ist hier Mädchen für alles, wenn er mal gerade nicht Manga liest, J-Musik hört oder Final Fantasy zockt.

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