13
January

Anime-Review: Shigatsu wa Kimi no Uso

Autor: 
Shigatsu wa Kimi no Uso - Cover(Quelle: MAL)
Titel: Shigatsu wa Kimi no Uso
Genre: Alltagsdrama
Studio: A-1 Pictures
Release: 2014
Folgen: 22 à 23 Minuten
Publisher: Peppermint
Preis: 44,49 € (4 BDs)

Diesmal ohne Mari Okada als kreativen Kopf versuchte A-1 Pictures 2014 erneut mit einem Originalwerk so richtig traurig zu sein. Wie 2011 Ano Hana eben. Also brauchten sie erst mal einen Charakter, dessen Leben sich durch seine traumatische Vergangenheit vollständig in der Sackgasse befand. Statt dem Clubhaus spielte die Geschichte nun aber in den Tonhallen Japans. Fehlte also nur noch ein Mädchen, was unseren Hauptcharakter aus seinem Tief ziehen durfte. Ein paar Windungen des Schicksals später würden dann im Verlauf der Handlung auch schon die Eimer wie von alleine mit Tränenflüssigkeit bis zum Rand gefüllt sein. So oder so ähnlich stellte sich das Studio das mit Shigatsu wa Kimi no Uso sicher vor. Doch sind vergossene Tränen kein Maß, um die Qualität eines Anime zu messen und so brauchen wir auch hier einen zweiten Blick, um einschätzen zu können, ob das Alltagsdrama wirklich taugt.

(Zusammenfassung)

Kousei Arima war ein weithin bekannter Klavierspieler, doch seine Karriere endete abrupt, als mit dem Tod seiner Mutter und Lehrerin seine Welt zusammenbrach. Aufgrund des Schocks ist er seitdem nicht mehr in der Lage, die Töne oder den Klang seines Klaviers wahrzunehmen. Seine ehemals von Musik geprägte Welt versank in Stille und Dunkelheit.

Auch zwei Jahre später ist Kousei immer noch entschlossen, ein Leben ohne Musik zu führen. Seine Freizeit verbringt er lieber mit seinen Freunden Ryouta Watari und Tsubaki Suwabe. Doch ein Mädchen wirft schließlich seine Vorsätze über den Haufen: Kaori Miyazono, die nicht nur wunderschön ist und eine offenherzige Persönlichkeit besitzt, sondern deren Stil Violine zu spielen einem Abbild dieser positiven Eigenschaften gleicht. Mit ihrer gefühlsbetonten Vortragsweise führt Kaori Kousei wieder hin zur Welt der Musik und zeigt ihm abermals deren Freuden.

Handlung

Schaut man sich die erste Hälfte des Anime an, bekommt man irgendwie das Gefühl, dass Shigatsu wa Kimi no Uso mit dem falschen Bein aufgestanden ist. Zwar werden Themen wie Leistungsdruck, Kindesmisshandlung und Liebe treffend behandelt, aber zunächst packt einen die ausgebremste Story nicht wirklich. Wie denn auch? Die ersten Folgen bestehen überspitzt gesagt auch nur aus Flashbacks und in die Länge gestreckten Piano-Performances. Bevor es dann aber langweilig wird, zieht der Anime immer wieder neue Aspekte und Charaktere aus seinem Köcher, ohne den Bogen zu überspannen. Eine normale Folge folgt dabei neben Kousei entweder Tsubaki, Kao oder einem Nebencharakter. Und wenn die schwere Stimmung der Serie dann doch wieder zu erdrückend wird, versucht die Serie mit einigen Gags erfolglos gegenzusteuern. In der zweiten Hälfte nimmt der Anime dann so richtig Fahrt auf: Der Zuschauer weiß im Prinzip schon von Kaos Schicksal und beobachtete Kousei, wie er dem auch auf die Schliche kommt und damit umzugehen lernt. Der Ausgang bleibt allerdings bis zuletzt offen. Streng genommen erinnert das alles dann mehr an ein J-Drama als an einen Anime und man ist in einer Tour am Weinen – sofern man für diese Erzählart empfänglich ist, denn stellenweise wirken solche Handlung dann doch sehr gekünstelt.

Charaktere

Eigentlich sieht man sofort, wer hier zusammengehört. Shigatsu wa Kimi no Uso will uns aber trotzdem immer wieder die ungleichen Paare verkaufen. Zum einen wäre da also das menschliche Metronom Kousei Arima. Als ruhiges und gehorsames Kind hat er sich diesen Titel verdient, indem er die Stücke immer perfekt nachspielte und somit jeden Wettbewerb gewann. Nach dem Tod seiner Mutter hört er jedoch die Töne des Klaviers nicht mehr und die Zeit steht still für ihn. Aus diesem Sumpf heraus zieht ihn Kaori Miyazono, die kindisch lebensfroh plötzlich immer vor Kousei auftaucht. Ihr Spitzname ist die Teufelsgeigerin und sie spielt die Stücke, wie sie es gerade für richtig hält, um beim Publikum in Erinnerung zu bleiben. Als Inspiration bringt sie Kousei dazu nachzudenken, für wen und wie er seine Stücke spielen möchte. Sie liebt nach eigener Aussage Ryouta Watari – Kouseis Kindheitsfreund. Dieser Playboy und Kapitän des Fußballteams war ihm und Tsubaki immer ein guter Freund, weshalb Kousei seine Gefühle gegenüber Kaori zurückhält. Ebenfalls hält Tsubaki Sawabe ihre Gefühle zurück, denn die leicht reizbare Softball-Spielerin hegt eigentlich Gefühle für Kousei. Sie tut es aber ab als freundschaftliche Gefühle als seine selbsternannte große Schwester. Ansonsten fährt die Serie noch mit einigen Nebencharakteren auf, von denen die Story allesamt irgendwie profitiert.

Animation

Steinway-Flügel sind für viele Pianisten die Konzertflügel schlechthin. Und auch in Shigatsu wa Kimi no Uso hat man einen solchen mit seinen vielen Einzelteilen und seiner schwarzen Glanzoptik animiert. Wer den Anime übrigens noch nicht gesehen habt, sollte unbedingt sicherstellen, dass er an das überarbeitete Material herankommt, denn zur TV-Ausstrahlung waren die Hände der Pianisten noch klobige Fleischbrocken statt filigrane Tastenstreichlern. Ansonsten wird man selbst in den heiligen Konzerthallen immer wieder Kirschblüten, Herbstlaub oder Schnee herumfliegen sehen, symbolisieren sie doch metaphorisch wie es gerade um die Beziehung von Kousei und Kaori steht. Was aber wirklich außergewöhnlich gut in diesem Anime gelungen ist, ist die Belichtung. Durch seine bunten Farben sowieso schon chronisch an Überbelichtung leidend gibt es dem Ganzen so noch den gewissen Kick, wenn die Hintergründe mal wieder ein Stück zu simpel gehalten sind oder man gerade nicht Kouseis triste Matschfarben-Welt sieht. Allgemein ist nicht viel Bewegung in diesem Anime, was aber auch nicht weiter schlimm ist, da sich die Animationseffekte darauf anpassen. Und dann sind da wieder diese Comedy-Momente, wo simplifizierten Charaktere vor Hintergründe mit abstrakten Formen und Farben entsprechend ihrer Gefühle gesteckt werden. Hoffentlich ist der Trend bald mal vorbei.

Sound

Schon mal ein Klavier Unterwasser spielen gehört? Diese und weitere feinsten Sound-Effekte wie realistische Klatschlaute und Regenprasseln haben die Leute bei A-1 Pictures in diesen Anime hineingemischt. Ansonsten sind – wie man es bei einem Anime über klassische Musik erwartet – die namenhaften Komponisten unterschiedlicher Jahrhunderte vertreten. Von Haydn und Beethoven über Chopin bis Saint-Saëns: Der Pianist kann sie alle spielen. Und das so gut, dass man wirklich das Gefühl hat, die Emotionen darin zu hören. Ähnlich stark ist auch der Soundtrack, der zunächst nur mit Klavier-Stücken sehr dünn wirkt. Mit der Zeit gesellen sich dann zwar noch Geigen, Gitarren und Hi-Hats dazu, aber zu wenig Variation für 22 Folgen bietet’s trotzdem. Das ändert aber nichts daran, dass man sich so sehr in der Soundkulisse verlieren kann, dass man vergisst die Untertitel weiter mitzulesen. Noch so ein Ohrengewitter waren Opening und Ending: Hikaru Nara von Goose House ist einfach der Inbegriff eines lebensfreudigen Liebeslieds und Kirameki von Wacci das soulige, wehmütige Gegenstück dazu. Wenn man sich dagegen die zweite Palette an Titelsongs anschaut, hat man Newcomer hier ziemlichen Mainstream produzieren lassen. Ansonsten: An japanischen Synchronsprechern etwas kritisieren zu wollen, ist oftmals lächerlich – so auch hier. Nur so viel: Mit vielen Kinderszenen und großer Emotionsbandbreite ist eine preiswerte deutsche Synchronisation zum Scheitern verurteilt.

Fazit

Handlung: Charaktere: Animation: Sound: Gesamt:
8 / 10 9 / 10 8 / 10 10 / 10 85 / 100

Shigatsu wa Kimi no Uso ist quasi ein animiertes J-Drama mit Anfangsschwierigkeiten. Aber was im japanischen Abendprogramm gut läuft, gefällt doch sicher unserer westlichen Welt nicht, oder? Erschreckenderweise schon. Die hochemotionale Story mit klasse Sound-Kulisse und gefühlsvollen Piano-Einlagen reißt als Einstiegsdroge ins Sentimental-Genre tatsächlich mit und verbraucht dabei nicht nur ein Papiertaschentuch. Nicht zuletzt deswegen, weil es seine Charaktere wertschätzt, packt das Werk irgendwann und lässt dann einfach nicht mehr los.

Plus Minus
  • hochemotionale Story
  • ein solider Soundtrack
  • klasse Farbgebung
  • … mit Anfangsschwierigkeiten
  • … mit wenig Variation

Ähnlich: Sakamichi no Apollon (Anime) + Ano Hana (Anime)

Dimbula

Dimbula ist hier Mädchen für alles, wenn er mal gerade nicht Manga liest, J-Musik hört oder Final Fantasy zockt.

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