01
February
Lost Control - Cover(Quelle: Tokyopop)
Titel: Ga-Rei
Genre: Action / Drama
Mangaka: Hajime Segawa
Release: 2005
Bände: 6 à 396 Seiten
Verlag: Tokyopop
Preis: 14 € pro Band

Weiter geht’s mit Ga-Rei, einem im Jahr 2005 von Hajime Segawa begonnenen Manga. Wer sich jetzt fragt, woher er den Namen des Manga beziehungsweise des Autors kennt, der hat vielleicht den Anime Ga-Rei Zero gesehen oder aber liest aktuell Tokyo ESP, der wie Ga-Rei hierzulande bei Tokyopop erscheint. Widmen wir uns aber nun Segawas Erstlingswerk Ga-Rei, was zeitlich gesehen nach den Geschehnissen in Ga-Rei Zero spielt.

(Zusammenfassung)
Kensuke Nimura könnte eigentlich ein ganz normaler Schüler sein, wäre da nicht seine Fähigkeit Geister zu sehen. Diese Wesen vermiesen ihm immer wieder das Leben und sorgen dafür, dass die meisten ihn wegen seines Verhaltens meiden. Als Kensuke dann im Restaurant ein von Maden übersäter Geist gegenübersitzt, kam es, wie es kommen musste: Sein ganzer Frust kommt raus. Da sein Date diesen Geist jedoch nicht sieht, fühlt sie sich davon angegriffen, zertrümmert beleidigt sein Handy und macht mit ihm Schluss.

Am Tag darauf steht Kensuke nun vor einem Handyladen auf der Suche nach einem neuen Handy, als er plötzlich von Geistern angegriffen wird. Auf der Flucht vor ebendiesen wird er allerdings von einer Rollerfahrerin ausversehen angefahren, wodurch er sich mit Mühe in ein nahegelegenes Parkdeck flüchten muss. Dort begegnet er nicht nur der Rollerfahrerin erneut, sondern auch einem riesigen Geist in Gestalt eines Babys. Gezwungen zu kämpfen, erscheint aus dem Rücken des Mädchens eine Geisterbestie, genannt Byakuei, und besiegt den Feind in letzter Sekunde. Noch im Gedanken an das Mädchen steht sie einige Tage später als neue Mitschülerin vor der Klasse und stellt sich ihnen als Kagura Tsuchimiya vor. Wo Kensuke da wohl reingeraten ist?

Handlung

Oberflächlich scheint Ga-Rei ein klassischer Vertreter der vielen 08/15 Action- und Dramamanga zu sein. Ihr wisst schon: der Protagonist, der das mysteriöse Mädchen trifft und sich in es verliebt, Charaktere, die zwanghaft versuchen lustig zu sein – inklusive des Protagonisten – und Kämpfe gegen verschiedenste Gegner und Monster. Ach ja, habe ich schon die Fillerszenen und den Fanservice erwähnt? Aber damit können wir die ganzen negativen Punkte auch schon abhaken. Denn unter der Oberfläche ist Ga-Rei eigentlich sehr plotintensiv. Nicht umsonst wurde Kaguras Hintergrundgeschichte ein eigener Anime in Form von Ga-Rei Zero gewidmet. Rübergebracht wird das sehr schön durch ein Storytelling, was völlig ohne Erzähler auskommt. An dessen Stelle treten die Gedanken von Kensuke und Kagura und hey, man hat echt nie das Gefühl, jetzt gerade nicht zu wissen, aus welcher Sicht die Geschichte erzählt wird. Die meisten Kämpfe, von denen es wirklich viele gibt, fühlen sich zur Abwechslung auch nicht als bloße Aneinanderreihung an und tragen irgendwie zum großen, apokalyptischen Finale bei. Dabei verfolgt Segawa das genretypische Gipfel-des-Eisbergs-Konzept, bei dem einem Gegner ein immer stärkerer folgt. Aber nicht nur das gehört zu seinem Stil, auch einen Plottwist in der Mitte muss es geben. Dieser wirkt zunächst sehr befremdlich und unnatürlich, da einem plötzlich zum ersten Mal wirklich packende Kämpfe erspart bleiben, entwickelt sich aber schnell zu einem Kampf der Hauptcharakter gegen nicht nur das Böse sondern auch gegen die Gesellschaft, die Kagura schon längst abgeschrieben hat. Das Affentempo mit dem Ga-Rei schließlich auf sein Ende zusteuert, mag dem ein oder anderen nicht ganz gefallen.

Charaktere

Woran merken wir, dass wir einen japanischen Action-Manga lesen? Richtig, an den zahlreichen Haupt- und Nebencharakteren, die sich über jegliche Stereotypen erstrecken. Ga-Rei ist da keine Ausnahme. So haben wir zum einen den schwulen(?) Muskelmann Koji Iwahata, der sich sehr verantwortungsvoll um seine Agentur-Kollegen kümmert, und zum anderen Noriyuki Izuna, den typischen perversen Spanner, der sich bei dem kleinsten Anzeichen von Gefahr sich verzieht. Beide sind absolut unterschiedlich und können sich auf den Tod nicht ab, aber eigentlich teilen sie beide ein ähnliches Schicksal, Izuna hat seine Verlobte (= Kaguras beste Freundin, Yomi) verloren und Iwahata seine Arbeitskollegen bei einem Einsatz. Wie gesagt, keine besonders großartigen Charaktere, aber beide haben so ihre Momente. Kommen wir nun zum Hauptgang. Die Rede ist natürlich von Kensuke und Kagura. Hier werden auch die Vorteile der Erzählperspektive deutlich, so merkt man das Kensuke eigentlich ein ganz normaler Teenager ist, der plötzlich in diese völlig neue Situation geworfen wird und immer wieder Rückschläge hinnehmen muss, gleichzeitig will er Kagura aber auch eine Stütze sein. Kagura ist jedoch, dafür dass sie klassisch eigentlich die Rolle der mysteriösen Hauptcharakterin innehat, extrem niedlich gehalten und immer fröhlich, sie schließt Kensuke direkt ins Herz. Der Rest ist dann typisch Actiondrama: Irgendwie schaffen die beiden es immer wieder aufgrund ihrer Zuneigung füreinander jegliches Unglück abzuwenden. (Spoiler: Selbstverständlich dauert es 12 Bände, bis sie sich ihrer Gefühle bewusst werden.) Na ja, und wenn Kensuke und Kagura der Hauptgang sind, dann sind Shizuru und Yomi das Dessert. Nein, wirklich, Shizuru und Yomi wirken prinzipiell wie diese typischen Charaktere, die man noch braucht, damit man klischeehaft eine Dreiecksbeziehung in seinem Manga unterbringen kann, aber mein Gott haben die beiden einen großen Hintergrund. Überrascht hat mich dann jedoch das Ende, was für Mangaverhältnisse echt zufriedenstellend war, gerade was die Romanze zwischen Kensuke und Kagura betrifft.

Zeichenstil

Der Zeichenstil von Ga-Rei bedient sich vielen unterschiedlichen Techniken, die jetzt nicht allesamt neu sind, aber dennoch meist gut zum Gesamtwerk passen. Ganz traditionell sind dabei die Flashback-Seiten, bei denen wie gewohnt die Bereiche zwischen den Panels schwarz sind. Auffallend ist direkt im Vergleich zu anderen Manga aber, die relativ dicke Linienführung, die dem Ganzen einen relativ dunklen Stil verpasst. Diese Ausgangslage wird im Manga auch immer wieder verwurstet und trägt zur apokalyptischen Grundstimmung bei. So haben Gegenspieler, die das pure Böse verkörpern auch entsprechend ein schwarzes Gesicht und weiße Haare, um von ihren guten Gegenspielern zu kontrastieren. Relativ gegen Ende taucht im dem Zusammenhang auch eine weitere Technik auf. So teilen sich im späteren Verlauf zwei Charaktere einen Körper und um zu zeigen, wer gerade die Kontrolle über den Körper hat, nutzt Segawa Schwingungseffekte. Was mir allerdings am besten gefällt, sind die sehr originellen Monster, die oftmals Elemente der Mythologie in sich vereinen, und die detaillieren Gebäudefassaden. Aber ganz ohne Schwächen kommt auch dieser Manga nicht aus. Gerade ungeübte Mangaleser werden bei den dicken Linien den Überblick in Kämpfen verlieren, aber keine Sorge, daran kann man sich gewöhnen. Was mir persönlich viel weniger gefällt, sind die stark vereinfachten Charaktermodelle, die in lustig gemeinten Szenen schon mal vorkommen. Gerade Kagura finde ich dabei denkbar schlecht getroffen. Dies beschränkt sich aber zum Glück eher auf die 1. Hälfte.

Fazit

Handlung: Charaktere: Zeichenstil: Gesamt:
8 / 10 9 / 10 8 / 10 84 / 100

Genau wie ich Lost Ctrl aufgewertet habe, da es halt absolut nicht mein Genre ist, habe ich fairerweise auch Ga-Rei abgewertet, weil mir solche Manga gefallen. Dementsprechend muss ich natürlich gleich denjenigen abraten, die nicht gerne solche generischen Actionmanga lesen. Mich kotzt dieselbe Kost immer wieder auch an, aber meiner Meinung nach ist Ga-Rei da etwas anders. Wenn man über diesen klassischen Actiondrama-Aufbau hinwegsieht, entdeckt man extreme Charaktertiefe, sehr schöne, detaillierte Konzepte für Monster und eine Story, die vielleicht etwas vorhersehbar ist, einen aber bei der Stange hält. Ga-Rei ist definitiv eines der guten Actiondramen, der nicht viel Neues bringt, aber die Ideen, die er aufgreift, größtenteils wirklich großartig umsetzt.

Lost Control - Cover Lost Control - Cover
  • plotintensives Actiondrama
  • detaillierte Monster & Gebäude
  • sehr runde Charaktere …
  • unübersichtliche Kampfszenen
  • … mit austauschbarem Design

Ähnlich: Ga-Rei Zero (Anime) + Tokyo ESP (Manga)

Dimbula

Dimbula ist hier Mädchen für alles, wenn er mal gerade nicht Manga liest, J-Musik hört oder Final Fantasy zockt.

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