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February

On Tour: Peppermint Anime Festival 2016

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On Tour ist die Sammelkategorie für Reiseberichte von Teammitgliedern zu allen relevanten Conventions und Events, zu denen wir uns auf den Weg gemacht haben. Vielleicht ist ja auch etwas für euren nächsten Ausflug dabei.


Aufsteller

Auch 2016 rief Peppermint alle Anime-Begeisterten auf, den 17 Stunden des Peppermint Anime Festival in einem von sieben Kinos beizuwohnen, was durch die längeren Pausezeiten und die 7. Extra-Vorführung in diesem Jahr zustande kam. Selbstverständlich bin ich dem Ruf gefolgt und wusste erstmal gar nicht so wirklich, was mich zu erwarten hat. Ich meine, die Titel vom letzten Jahr waren ja bekannt wie ein bunter Hund: Das Mushishi-Special, der Madoka Magica-Film, der Steins;Gate-Film, die Sword Art Online-OVA, alles Franchises, die man kennt. Ein Kollege hat deswegen seine Teilnahme sogar abgesagt. Noch ein Risikopunkt: Die Real Action-Filme, zu denen viele Anime- und Mangafans nicht den besten Draht haben, aber dazu später mehr. Mit von der Partie waren jedenfalls auch wieder die Aktionsstände der vielen Sponsoren, die allerlei Merchandise vertickten.


Kölner CinedomInhalt der Festivaltasche


Timeline 1

gelber Daumen

Vor einigen Jahren habe ich mal die Theorie aufgestellt, dass ein Kurzfilm des Anime Mirai gut, 2 mittelmäßig und einer scheiße (zumindest anzusehen) ist und auch dieses Jahr scheint das zu stimmen. Auch wenn die Einteilung diesmal nicht ganz so einfach ist. Die Filme der jungen Animatoren sind auf jeden Fall allemal filmtechnisch wertvoll und trumpfen mit neuen Storytelling-Ansätzen oder Animationsweisen und -stilen auf. Aber worum ging es diesmal eigentlich: Nun, zum einen hatten wir eine Geschichte über ein Mädchen, dessen Traum es war, auf dem örtlichen Taikofestival (= jap. Röhrentrommel) zu spielen, bis dieses durch einen Unfall in letzter Minute abgeblasen werden musste und nie wieder stattfand. Zum anderen lief ein Film über Haru und Eri, die zusammen die NicoNicoDouga-Charts für Indie-Künsler stürmen und sich einen Auftritt auf dessen Sommerkonzert verdienen. Unter den Nicht-Ganz-So-Guten – dieses Jahr aber ganz Ordentlichen - bleiben dann ein Stummfilm über Tulpen und einer über einen reichen Typ im Ruhestand, dessen gestorbene Mutter er mit einem Maid-Roboter ersetzen will. Prädikat: ansehbar


Timeline 2

roter Daumen

Im Anschluss ging es im großen Kinosaal dann mit noch mehr Kurzfilmen beim OVA-Special weiter, nur dieses Mal mit mehr Budget und erfahrenerem Produktionsteam. Ja, ich mag Kurzfilme, aber wie sah die Auswahl dieses Jahr aus? Es ging los mit einem Special zu Durarara!!x2, wo es darum ging, wie sich die Charaktere kennengelernt haben: Nichts Besonderes, nur für Fans der Serie, für andere sehr langweilig. Dann folgte aber Taifuu no Noruda: Ein Film über den Baseballklub-Aussteiger Shuuichi einen Tag vor dem Schulfestival, dessen Stattfinden durch einen Taifun bedroht wird. Das Auftauchen von dem mysteriösen, rotäugigen Mädchen Noruda und seinem Baseball-Kollegen und Freund Kenta, mit dem er seit seinem Austreten zerstritten ist, machen das Drama sogar echt schauenswert. Über den dritten Film gibt es nicht viel zu sagen: Es handelt sich um einen sehr alten Film mit den typischen Schwächen solcher Filme und handelt von Mami, die sich tagsüber manchmal in eine verschollene Schauspielerin verwandelt und beim Dreh eines Films des Ex, der immer noch Gefühle für sie hat, hilft: Leider nur Zeitfüllmaterial von Peppermint.


Timeline 3

gelber Daumen

Der letztplatzierte Anime beim Film des Festivals-Voting ist wohl keineswegs auf diesem, weil er wirklich so schlecht war. Nur hat ihn vermutlich einfach niemand so wirklich verstanden. Der Magical Girls-Animefilm, den Crunchyroll dem Festival gesponsert hat, kommt eigentlich mit recht ansehnlichen Animationen und relevanten Thematiken und Gedankengängen daher. Es geht um zwei Antivirenprogramme, die in Form von zwei Magical Girls innerhalb des Datenträgers Büchse der Pandora virtuelle Welten, die unsere Weltgeschichte abbilden, beschützen. Soweit so gut: Doch dann kam der verwirrende zweite Teil, wo sich Antivirenupdates, künstliche Intelligenzen und die Erschafferin des Systems und ihre Familie zu so komplexen Geflechten zusammenfügten, dass Crunchyroll beim Erstellen ihres Promotionvideos in Köln ihre reinpositiven Stimmen schon suchen musste. Der Titel der besten Festivaluntertitel geht trotzdem mit weitem Abstand an Crunchyroll.


Timeline 4

grüner Daumen

Anstatt im großen Kino zu sitzen und mit dem Regisseur von Free! zu schnacken, entschied ich mich also dafür mir im kleinen Kino einen Live-Action-Film anzutun und man war das eine gute Entscheidung. Während die Anime-Serie mir zu langsam und zu unlustig war, hätte der Film auch ein guter Actionstreifen sein können. Wer mit Realfilmen nicht klarkommt, den kann ich zwar ein Stück weit beruhigen, denn das hohe Budget, Regisseur Eiichirou Hasumi (Brave Hearts) und die Schauspieler haben ganze Arbeit geleistet , aber um ein gewöhnungsbedürftiges 3D-Modell kommt auch dieser Film nicht rum. Für die vom Film Überzeugten auch noch eine gute Nachricht zum Abschluss: Ein zweiter Teil ist bereits in Arbeit und erscheint am 25. März.


Timeline 5

grüner Daumen

An Anthem of the Heart scheiden sich ja so ein bisschen die Geister: Die einen sagen, er sei noch genialer als Ano Hana, also der Top-Film von Peppermints letztem Festival, mit seiner sehr ergreifenden und glaubhaften Story, die anderen sagen, er sei zwar genial, aber im Gegensatz zu Ano Hana zu lang und zu übertrieben dramatisch an einigen Stellen. Ihr sehr also, wir bewegen uns auf sehr hohem Niveau. Ich selbst gehöre zur ersten Fraktion, entschuldige Mütsch. Er reiht sich (zumindest aktuell) zu „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ was meine Lieblingsfilme angeht. Und man hab ich bei dem Anime Rotz und Wasser geheult. Mir ist immer noch völlig unklar, welcher Praktikant auf die letzte Szene gekommen ist, aber egal. Für alle die nicht da waren hier eine kurze Zusammenfassung: Die Geschichte handelt von Jun, die neben einem Schloss wohnt – das Schloss ist übrigens ein Bordell, aber das weiß Jun nicht. Sie plappert immer nur und so erzählt sie ihrer Mutter, dass sie Papa mit einer anderen Frau aus dem Schloss fahren sah. Die Eltern scheiden sich; beide geben ihr die Schuld; sie ist so traumatisiert, dass sie niemals wieder redet. Wirklich ein Must-Watch.


Timeline 6

gelber Daumen

Die Shin Megami Tensei-Videospielserie ist jeden guten JRPG-Gamer ein Begriff: Persona ist dabei der bekannteste Ableger des Franchise und der gerade der dritte Teil bekannt für seinen Umgang mit Leben und Tod. Die Menschen haben vergessen, dass sie sterben können, doch mitternachts tauchen Monster auf, die ziemlich scharf auf Menschen sind. Typisches „Memento mori“-Setting (= Setting mit Vergänglichkeit als Thema) also und für Leute, die nichts mit dem Videospiel und Monstern anfangen können, hört es da dann auch auf. Wer nicht mehr genug kriegen kann die gute Nachricht: Der Film ist ein Vierteiler à 1 ½ h, also der Wert von circa einer Anime-Staffel und so ist er auch aufgebaut, denn Film 2 beginnt direkt im Geschehen und ohne Vorwissen aus ebendiesem ist schnell Schluss.


Timeline 7

gelber Daumen

Wer bis 23 Uhr durchhielt wurde mit 2 weiteren Stunden Knights of Sidonia-Film belohnt, der den Inhalt der ersten Staffel ganz gut zusammenfasst für alle die Sci-Fi, Mechas und vor allem CGI (= Computer Generated Images) mögen, denn davon ist Knight of Sidonia voll. Denn verantwortlich für Sidonia ist Polygon Pictures, die aktuell Ajin umsetzen, ein wie Standard wirkender Manga, der sich aber gut entwickelt. Warum sich Polygon jetzt aber auf Animationen im 3D-Anime-Stil spezialisiert hat, weiß keiner so genau. Jedenfalls kennt man sie auch außerhalb von Anime z.B. für die Star Wars: The Clone Wars-Serie, die auch wegen ihrem 3D-CGI vielen Fans auf den Schlips trat. Die Alternative war ein Real Action-Film mit einem Auftragskiller, was mich irgendwie direkt an das koreanische Drama Healer erinnert, was für koreanische Dramen echt gut war. Vielleicht schon ich mir den ja noch im Nachhinein an.


Fazit:

Von filmtechnisch wertvoll über alter Schinken & Billigproduktionen bis hin zu guten Filmen, die man sonst vielleicht nie gesehen hätte, war auch dieses Jahr wieder alles dabei. Die Planung lief bei allem, was Peppermint dieses Jahr anders gemacht hat (variable Pausenzeiten, vorzeitiger Eintritt für Vorbesteller, zeitversetztes Kinoprogramm je nach Ansturm), überraschend reibungslos. Was sich nicht geändert hat trotz der teilweise 3 Kinosäle und der 7. Kinovorführung: Für 35€ darf man nicht erwarten nur AAA-Titel zu sehen, man muss sich auch durch das ein oder andere quälen. Umso schöner jedoch, wenn einen ein bislang unbekannter Film Rotz & Wasser heulen lässt, gerade dadurch, dass Kinoschauen noch mal was ganz Anderes ist als Zuhauseschauen. Nach wie vor bleibt es ein Problem, dass Untertitel nicht korrekturgelesen (Ich melde mich freiwillig für nächstes Jahr!) und man nach wie vor meint, dass bei zwei Sprechern die Untertitel wie wild durch die Reihen tanzen müssen. Aber allem in allen finde ich auch dieses Jahr das Peppermint eine gute Auswahl bei den Titeln getroffen hat und kann jedem die Veranstaltung wärmstens, selbst wenn oder gerade weil einem die Titel nichts sagen, empfehlen.

Dimbula

Dimbula ist hier Mädchen für alles, wenn er mal gerade nicht Manga liest, J-Musik hört oder Final Fantasy zockt.

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