09
April

Angezockt - Vom Schicksal verfolgt in Resonance of Fate

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Wenn Anime-Fans nicht Anime schauen oder Manga lesen, tun sie was? Richtig, vermutlich zocken und darum geht es hier: Wir schnappen uns ein aktuelles Game und schreiben unsere Gedanken dazu nieder, um am Ende die Frage beantworten zu können, ob sich ein Kauf denn jetzt lohnt.

Resonance-of-Fate PS3 FOB ESRBDer Geruch von Öl und Schießpulver vermischt sich mit dem metallenen Geschmack von Blut. Der Schweiß rinnt den Rücken hinab, während der Griff um das kalte Metall der Waffe verstärkt wird. Finster. Nebel. Stille. Ein Schatten bewegt sich in der Dunkelheit. Der Atem ist ruhig und doch vibriert jeder Muskel, jede Sehne, unter der knisternden Spannung. Ein Lichtblitz erhellt die rostbraune Backsteinwand. Ein Schuss zerreißt die Stille der Nacht und hallt in der dunklen Gasse wider, gefolgt von einem markerschütternden Schrei.

So erging es jedenfalls mir als sich Resonance of Fate von Entwickler tri-Ace (Star Ocean, Valkyrie Profile) in der Konsole rotierte. Nicht nur die dystopische Umgebung und die postapokalyptische Stimmung heben es deutlich von anderen JRPGs ab. Die überragende Story und das vielfältige Kampfsystem sind nur zwei von vielen Elementen, die das Spiel zu einem der besten dieser Kategorie machen. Ein echter Geheimtipp für alle, die etwas für dieses Setting übrig haben und auch mal ältere Spiele anfassen.

 

Gegen das System

tbnbqBasel. Für die einen die Hauptstadt der Schweiz, für die anderen ein Gebilde von 12 Ebenen, das von zahlreichen Zahnrädern übersäht ist. Ein dystopischer Ort, der auf den Ebenen mehrere Gebäude, kleinere Siedlungen und unterschiedliche Dungeons beherbergt. Gesteuert werden all diese Zahnräder von Zenith, dem Gott von Basel. Eine Maschine, die das Schicksal jedes Einzelnen beherrscht. Dies ist der Schauplatz für einen 3-Mann-Jägertrupp, der kleineren Jobs der Gilde nachgeht – etwa Räuberbanden den Garaus machen oder Botengänge erledigen. Leanne, Vashyron und Zephyr sind eine Gruppe, die unterschiedlicher nicht sein könnte, und jeder schleppt sein eigenes Schicksal mit sich herum, das eigentlich vorbestimmt sein sollte. Wunder gibt es hier nicht. Aber was passiert, wenn man sich gegen sein Schicksal stemmt und sich auf die Suche nach Wundern begibt?

 

Gut gealtert ist die halbe Miete

Feature-Resonance-of-Fate-2Auch wenn das Spiel gut sieben Jahre alt ist, macht es grafisch noch einiges her. Hin und wieder versagt die Physik-Engine, aber ansonsten sind anspruchsvolle Hintergründe und detailreiche Vordergründe die Regel. Musikalisch zwar keinen Oscar wert, wurde trotzdem Wert auf gute Hintergrundmusik gelegt, die zumeist düster das Geschehen passend untermalt. Gesteuert wird auf der Karte und in Dungeons ein Anker, in der Stadt, in Gebäuden und auf dem Kampffeld kann einer der Protagonisten frei aus der Third-Person-Sicht manövriert werden. Gut gemacht sind vor allem die emotionsgeladenen Zwischensequenzen, die mit viel Slapstick-Humor aufwarten. Die Synchro, die beim ersten Spielen nicht auf Japanisch gestellt werden kann, ist zur Abwechslung – im Gegensatz zu anderen Reihen wie Neptunia oder Atelier – so gut gelungen, dass der Witz hinter vielen teilweise nicht untertitelten humorvollen Bemerkungen auch durchkommt. Bis auf Ton können Englischmuffel auch wahlweise alles auf Deutsch umstellen. Das Intro ist sehr gut gemacht: Mit viel Action und coolem Sound macht es richtig Stimmung aufs Zocken.

 

Willkommen in Basel

rof3 thumbBei vielen Spielen oftmals nicht der Rede wert, trägt die Weltkarte hier aktiv zum Spielgeschehen bei und hat sogar unter Umständen drastische Auswirkungen auf das Kampfgeschehen. Zum einen wären hier besagte zwölf Ebenen, die aus lauter Hexagonen bestehen, die deaktiviert und somit nicht begehbar sind. Um sie zu aktivieren sind graue oder farbige Energiezellen nötig, die zum Beispiel als Belohnung bei gewonnen Kämpfen erbeutet werden. Werden mehrere farbige Zellen aneinandergereiht und die Mindestanzahl erreicht, lassen sich Terminals freischalten, die Effekte für das soeben eingefärbte Kampffeld mit sich bringen. Die Effekte wirken dann ebenfalls in Dungeons.

Die zwölf Ebenen sind über Lifte miteinander verbunden. Hierfür werden spezielle Pässe benötigt, die im Laufe des Spiels freigespielt werden. Kleinere Lifte sind allerdings frei benutzbar. Im Gegensatz zu den großen Zentralliften lassen sich diese auch mit den Effekten der Farbzellen belegen. Auf Ebene 1 befindet sich die Basilika, das Herzstück von Basel. Je weiter es nach unten geht, umso rauer wird die Welt. Während auf den Ebenen 1-3 nie ein Gegner auftaucht, ist bei den untersten Ebenen drei Schritte ohne Feindkontakt das höchste der Gefühle.

 

Ein wildes Zusammenbauen

up3832Wie jetzt? Ein JRPG nur mit Knarren statt Schwertern und Magieknüppeln? Die Anzahl an verschiedenen Waffen und deren Modellen mag zwar nicht berauschend sein, trotzdem ist Resonance of Fate eines der wenigen JRPGs, die sich ausschließlich dem Schusswechsel hingeben. Zur Auswahl stehen Pistolen, Maschinengewehre, eine Granaten- und Munitionskiste, sowie ein Erste-Hilfe-Set, die bunt gemixt werden können. Es ist also möglich, zwei Pistolen, zwei Maschinengewehre, eine Pistole und ein Maschinengewehr oder eine Pistole beziehungsweise ein Maschinengewehr zusammen mit einer Kiste auszurüsten. Die Pistolen und Maschinengewehre lassen sich vielfältig modifizieren und mithilfe von Bausätzen erweitern. Viele Stunden gehen dabei drauf, das beste Setting für eine Waffe zu finden und damit eine gute Balance zwischen Ladegeschwindigkeit, Nachladegeschwindigkeit, Kugelanzahl und Streuung. Aufgrund der Anordnung mancher Teile ist es zwar schwer vorstellbar, warum sich überhaupt noch Kugeln aus der Waffe abfeuern lassen, aber bei Wanted hat schließlich auch niemand nachgefragt, warum die Kugeln einen Bogen fliegen.

 

Wenn Runden- und Echtzeitstrategie ein Kind bekommen würden …

1440x810Das Kampfsystem ist nicht unbedingt hochgradig komplex, jedoch bietet die Mischung aus Echtzeit- und Rundenstrategie eine Vielzahl an Möglichkeiten, den Kampf in völlig verschiedene Richtungen laufen zu lassen. Wird eine Aktion mit einem Protagonisten gestartet, läuft die Zeit, in der weitere Handlungen ausgeführt werden können. Zeitgleich nehmen auch die Gegner die Protagonisten ins Visier. Die Zeit zum Laden und zum Nachladen ist abhängig von der Entfernung zum Gegner und den Add-ons der Waffe. Beim Nachladen handelt es sich um eine Verstärkung der Kraft, mit der ein Gegner von einer Ladung Kugeln getroffen wird samt dazugehörigen möglichen Zusatzeffekten. 

Pistolen und Maschinengewehre unterscheiden sich grundlegend: Pistolen richten nur sehr wenig Schaden an, während das Maschinengewehr mit ordentlich Feuerkraft punktet. Dafür macht das Maschinengewehr nur Streifschaden, während die Pistole Streifschaden in direkten Schaden umwandelt. Mit dem Maschinengewehr ist es also möglich den Lebensbalken eines Gegners komplett in Streifschaden einzuhüllen, jedoch nicht möglich ihn damit zu töten. Bei den Helden selber wird generell nur Streifschaden verursacht. Es sei denn, es sind keine Heldensplitter mehr übrig. Diese können durch Heldenaktionen verloren gehen oder wenn ein Held komplett in Streifschaden gehüllt wird. Hinzuverdient werden sie, indem ein Gegner das zeitliche segnet oder ihm Körperteile und Kleidung abgeschossen werden. Sind sie leer, wird bei den Helden der Streifschaden in Direktschaden umgewandelt und erneuter Schaden ist ebenfalls Direktschaden.

4b62b65e88654Bei einer Heldenaktion führt der Protagonist einen sehr stylishen Lauf oder Sprung zu einer ausgewählten Position aus, währenddessen es jede Menge Zeit gibt, den Gegnern Feuer unterm Hintern zu machen. Granaten fügen den Gegnern ebenfalls Direktschaden zu – jedoch wesentlich mehr als die Pistole und dazu noch einen netten Nebeneffekt wie Verbrennung, Erfrierung oder Vergiftung. Die Magazinkiste kann Pistolen oder Maschinengewehren zugeteilt werden und hat Auswirkung auf die abgefeuerte Munition. So gibt es die Auswahl zwischen Hohl- und Mantelgeschossen oder gar Brandmunition. Wer hier jetzt nicht mitgekommen ist, kann sich ein Tutorial ansonsten nur in der Arena zu Gemüte führen.

 

Keine Spur von Arbeitsscheu

maxresdefaultEin Blick ins Bestiarium verrät, warum die Widersacher hier einen eigenen Punkt bekommen. Es sind einfach verdammt viele und dazu auch noch verdammt unterschiedlich. Von Hund bis Yeti, von Panzer bis Soldat, vom fetten Gangster bis hin zum … beleibten Gangster: Alles, was da kreucht und fleucht, ballert, schießt, feuert, knallt, prügelt und säbelt auf die drei Helden ein oder will ihnen einfach nur ans Bein pinkeln. Oder auffressen. Oder überfahren. Selbst vor Kupfer-, Silber- oder Goldklumpen ist man nicht sicher. Und spätestens hier ist es nicht verkehrt, ein wenig über die Eigenheiten der eigenen Bewaffnung und der Panzerung der Gegner zu wissen, um den Gegner bestmöglich zu grillen.

 

Bloß nicht den Überblick verlieren

2130541-resonance of fate artSelbst triviale Dinge wie das Aufleveln sind kaum wiederzuerkennen. Erfahrungspunkte gibt es für den Schaden, der am Gegner angerichtet wird, und dann auch nur für die Waffe, die eingesetzt wurde. Ist ein neues Level mit der Waffe erreicht, bekommt der Charakter ebenfalls ein Level gutgeschrieben. Oder anders ausgedrückt: Ein Charakter mit Pistolenlevel 42, Maschinengewehrlevel 36 und Granatenlevel 18 hat ein Gesamtlevel von 96. Mit dem Erreichen eines neuen Levels werden auch neue Bonuseffekte wie höherer Schaden freigeschaltet. Da es bis auf Lebenspunkte und Gewichtszuladung keine weiteren Werte gibt, bleibt nach einem Level-Up nur die Möglichkeit, durch das frei gewordene Gewicht ein Teil mehr an die Waffe zu schrauben.

 

Trivia & Eastereggs

  • imagesDas Niemandsland, das im Prolog erwähnt wird, gibt es wirklich. Die schwarzen Energiezellen für den Lift in der 4. Ebene erhält man aber erst nach Abschluss der Story.
  • Viele Monster lassen sich kaum anders beschreiben als wandelnde Eastereggs, wenn sich das Signal zum Start eines Kampfes gelegt hat und einem die Kinnlade runterfährt.
  • Kobold und Papa Kobold bummeln gerne durch die Stadt. Werden sie erblickt, flüchten sie so schnell, dass ihnen die Gelbörse rausfliegt. Reicht aber nicht mal für ein Eis …
  • Manche Itembeschreibungen sind einfach nur genial: Beim Durchlesen spürt man förmlich die Kreativität.
  • Die neuste Mode-Kollektion kann gern mal den Geldbeutel sprengen. Bei geschickter Auswahl ist die Aussicht bei Leannes Heldenaktion aber einfach unbezahlbar.
  • Der Gegner macht sich vor Angst in die Hose? Nicht selten ist beim Lootaufsammeln Hundekot dabei. Dieser lagert dann in der Granatenkiste …

 

Fazit

32777ae9bfa709f8b5316a593de08b7f.jpgZugegebenermaßen verläuft der Anfang etwas schleppend. Die vielen Slapstickeinlagen halten aber bei der Stange, ehe die Story richtig in Fahrt kommt. Das Kampfsystem ist sehr eigen und lässt sich nur durch einiges an Training meistern. Aber vielleicht ist es genau dieser Mix gepaart mit der besonderen Atmosphäre, die dieses Spiel zu etwas Besonderem macht und einen aus dem Alltagstrott der anderen Games rausreißt. Da es schon ein etwas älteres Spiel ist, muss man auch längst nicht so viel ausgeben wie für aktuelle Vollpreistitel. Lohnen wird es sich auf alle Fälle und wer weiß, was das Schicksal sonst noch so bereithält …

Levia

Levia ist so häufig bei uns in den Podcasts und im Blog-Bereich zu Gast, dass er irgendwie schon fest zum Team gehört.

Website: peachcake.moe/

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