{"id":14584,"date":"2020-12-16T15:55:29","date_gmt":"2020-12-16T14:55:29","guid":{"rendered":"https:\/\/anihabara.de\/index.php\/2020\/12\/16\/interview-altraverse-gerade-im-august-september-lagen-die-umsaetze-auf-weihnachtsniveau-dokomi-2020-2\/"},"modified":"2023-12-29T01:38:44","modified_gmt":"2023-12-29T00:38:44","slug":"interview-altraverse-gerade-im-august-september-lagen-die-umsaetze-auf-weihnachtsniveau-dokomi-2020-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anihabara.de\/index.php\/2020\/12\/16\/interview-altraverse-gerade-im-august-september-lagen-die-umsaetze-auf-weihnachtsniveau-dokomi-2020-2\/","title":{"rendered":"Interview &#8211; Altraverse: \u00bbGerade im August, September lagen die Ums\u00e4tze auf Weihnachtsniveau\u00ab (DoKomi 2020)"},"content":{"rendered":"<p><em>Mikrofon ausgepackt, St\u00e4nder aufgebaut und Aufnahme: \u00dcberall, wo sich Menschen treffen, gibt es auch immer Leute, die Spannendes zu erz\u00e4hlen haben. Einige davon kriegen wir hin und wieder vor unsere Kamera, vor unseren Notizblock oder in Skype und Teamspeak gezogen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<table style=\"width: 40%; margin-left: 2%;\" align=\"right\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/anihabara.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/JHS_7830_01.jpg\" alt=\"Joachim Kaps\" width=\"100%\" \/>Quelle: \u00a9 <a href=\"https:\/\/jumpei-tainaka.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jumpei Tainaka<\/a> \/ Altraverse<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das Jahr 2020 hatte Gewinner und Verlierer. Einer der offensichtlichsten Verlierer war die hiesige Convention-Landschaft \u2013 bis auf eine besucherm\u00e4\u00dfig reduzierte DoKomi fand einfach nichts im gewohnten Ma\u00dfe statt. K\u00fcnstler und H\u00e4ndler, die einen gro\u00dfen Teil ihres Lebensunterhalts mit Conventions erzielen, hatten auch das Nachsehen. Aber dann wird es mit den Verlierern schon schwieriger. Zwar schlossen im Fr\u00fchjahr 2020 zahlreiche Gesch\u00e4fte f\u00fcr vier Wochen, doch in der Zeit nach der angeordneten Auszeit berichteten viele Comich\u00e4ndler, mit denen wir gesprochen haben, von sp\u00fcrbaren Umsatzhochs. Dies best\u00e4tigen auch Zahlen von Media Control und der Gesellschaft f\u00fcr Konsumforschung f\u00fcr den Gesamtmarkt Buch. Wir trafen Joachim Kaps, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Altraverse, auf der DoKomi 2020, der uns half, das Jahr 2020 aus seiner Perspektive einzuordnen. Dabei wurde eins klar: Trotz all der negativen Nachrichten haben wir jeder Einzelne eine Menge lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(Bilder: \u00a9 Michael Thal \/ Altraverse)<\/p>\n<p><b>Anihabara.de: Kannst Du zum Einstieg grob skizzieren, welche Ma\u00dfnahmen ihr <b>gerade&nbsp;<b>nach der Absage der Leipziger Buchmesse 2020&nbsp;<\/b><\/b>getroffen habt, um auf die Krise zu reagieren? Welche haben sich als besonders gut beziehungsweise schlecht herausgestellt haben?<\/b><\/p>\n<p>Joachim Kaps: Ich glaube, das Erste, was wir gemacht haben, ist, dass wir beschlossen haben: Das Leben muss weitergehen. Insofern sa\u00dfen wir zusammen und haben tats\u00e4chlich eher \u00fcberlegt, was wir zus\u00e4tzlich machen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend die Conventions ausfallen. Wir haben unter anderem in der Zeit, wo Leipzip h\u00e4tte stattfinden sollen, unseren Livestream gestartet, haben tats\u00e4chlich bewusst versucht, antizyklisch (Anmerkung der Redaktion: ein Verhalten, das der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung entgegenwirken soll) zu reagieren \u2013 bei uns gab es zum Beispiel keine Kurzarbeit, wir haben ganz normal weitergemacht. Wir haben sogar unsere Marketingausgaben erh\u00f6ht und versucht, \u00fcber Social Media die Leute ein bisschen umzulenken. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen. Wir haben an den Verk\u00e4ufen unseres Webshops zum Beispiel relativ schnell gesehen, dass viele einfach umgeswitcht sind und in der Zwischenzeit andere Kan\u00e4le genutzt haben. Zum Zweiten haben sich die Comicshops und freien Buchhandlungen enorm ins Zeug gelegt, trotzdem die Lieferbarkeit aufrecht zu erhalten \u2013 selbst in der Zeit, als geschlossen war. Es gab sehr findige Modelle. Manche haben aus der Apotheke nebenan verkauft, manche haben per Fahrrad den Leuten die B\u00fccher nach Hause gefahren, die sie online bestellt hatten. Da gibt es eigentlich ganz viele gro\u00dfartige Geschichten.<\/p>\n<p><strong>Anihabara.de: Die meisten Verlage k\u00fcrzen eher ihre Budgets in der Krise, statt sie zu erh\u00f6hen: Was f\u00fcr eine \u00dcberlegung steckt dahinter, gerade in der Krise Geld in die Hand zu nehmen? Das wirkt eigentlich kontraintuitiv, Budgets zu erh\u00f6hen, wenn die Leute zum Beispiel in Kurzarbeit stecken.<\/strong><\/p>\n<p>Joachim Kaps: Das halte ich eigentlich f\u00fcr falsch, weil ich glaube, dass gerade Lesen vielen Leuten in dieser Zeit sehr geholfen hat. Man sieht ja insgesamt, dass sich der Buchmarkt als solcher \u2013 also nicht nur Manga \u2013 deutlich besser durch die Krise geschlagen hat als bestimmte andere Bereiche. Viele Leute haben vielleicht entdeckt, wie viel Spa\u00df so ein Buch machen kann, wenn man die ganze Zeit zu Hause ist. Mit unserer Theorie, dass die Krise eigentlich eher die Leute zur\u00fcck zum Buch holt, haben wir, glaube ich, ganz gut recht behalten, denn Stand Ende September hat Manga in diesem Jahr in Deutschland ungef\u00e4hr 10 Prozent zugelegt und nicht verloren. Davon haben wir jetzt \u00fcberproportional profitiert. Tats\u00e4chlich ist Manga dieses Jahr st\u00e4rker gewachsen als im Vorjahr. Gerade im August, September hatten wir exorbitante Zahlen in diesem Markt. Die Ums\u00e4tze lagen monatlich mit Manga in Deutschland auf dem Niveau, das wir sonst im Weihnachtsgesch\u00e4ft haben. Das hei\u00dft, die ganze Community ist vielleicht sogar st\u00e4rker geworden und st\u00e4rker auf Buch und Anime zur\u00fcckgekommen. F\u00fcr uns hat sich&nbsp;unser Vorgehen rentiert.<\/p>\n<p><strong>Anihabara.de: Woran denkst du liegt es, dass gerade Manga Cult und ihr Zuw\u00e4chse trotz Corona erwirtschaften? Kannst du dir das erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Joachim Kaps: Das hat sich ein bisschen relativiert. Mittlerweile ist auch Carlsen Manga wieder im Plus gegen\u00fcber dem Vorjahr. Ich glaube, man muss fairerweise auch sagen, dass die neuen Verlage es in soweit auch einfacher haben, weil a) die Strukturen beweglicher sind und Entscheidungsprozesse nicht so lange dauern. Bei uns dauert ein Entscheidungsprozess 5 Minuten, wenn er so sein muss, weil wir nicht Teil eines Konzerns sind, der komplizierte, lange Wege hat \u2013 das ist bei Manga Cult vergleichbar. Manga Cult hat dazu nat\u00fcrlich eine Riesengl\u00fcck gehabt, dass sie \u00bbDemon Slayer\u00ab genau in dieser Zeit gestartet haben, wo eine Riesennachfrage war. Jetzt war das Schicksal zu uns gleich doppelt nett, weil auf unserer Seite \u00bbSolo Leveling\u00ab dazukam. Das hat sich halt alles addiert. Aber ich glaube auch ohne \u00bbDemon Slayer\u00ab und \u00bbSolo Leveling\u00ab w\u00e4ren Manga Cult und Altraverse nach den Zahlen, die ich kenne, erst mal diejenigen gewesen, die am stabilsten durch diese Zeit durchkommen. Jenseits von Manga glaube ich, dass man das auch in vielen Bereichen sieht. Sehr, sehr gro\u00dfe Unternehmen haben sich sehr viel schwieriger getan, sich auf diese Situation einzustellen.<\/p>\n<p><strong>Anihabara.de: Thema Online-Ma\u00dfnahmen: Wie effizient sind sie? In wie weit k\u00f6nnen sie das, was mit Offline-Ma\u00dfnahmen nicht geht, dieses Jahr auffangen? Stellt man zum Beispiel die Anzahl an Convention-Besuchern den Aufrufen unter euren YouTube-Videos gegen\u00fcber, kann ich mir vorstellen, dass sich Schwierigkeiten ergeben.<\/strong><\/p>\n<p>Joachim Kaps: Das ist ganz spannend gedacht, aber greift zu kurz. Wenn wir nicht denken w\u00fcrden, dass Conventions auch eine gro\u00dfe Rolle spielen, w\u00e4ren wir jetzt nicht hier. Wir sind der einzige Publisher, der sofort gesagt hat: \u00bbWir wollen diesen Lernprozess mitgestalten und wollen f\u00fcr uns und f\u00fcr die Community mithelfen, zu lernen, wie so etwas wieder stattfinden kann\u00ab \u2013 und Conventions sind nat\u00fcrlich so tief in der DNA von Altraverse als Unternehmen verankert, das kann nicht ersetzt werden.<\/p>\n<p>Die Aufrufzahlen sind aber insofern ein bisschen zu relativieren, weil nicht alle Besucher einer normalen Veranstaltung automatisch zum Altraverse-Stand kommen und nichts anderes zu tun haben, als ausgerechnet uns zu besuchen \u2013 auch wenn hier 25.000 Besucher sind oder im letzten Jahr 50.000. Bei den Online-Geschichten merken wir, das ist ein Spiel \u00fcber Bande. Die Leute, die momentan in unseren Streams sind, sind ganz oft selbst wieder Influencer, die alle Infos, die wir mittlerweile in den Streams geben, \u00fcber ihre Plattformen, Blogs und Instagram- sowie Twitter-Kan\u00e4le weiterverbreiten. Sogesehen glaube ich, dass die Streuwirkung dieser Aktivit\u00e4ten eine andere ist, als die, die man an den reinen Klicks sieht. Wir haben immer sehr stabil diese 1.000 bis 1.500 Leute, die sich am Ende so ein Video angucken, aber wenn die alle loslaufen oder nur die H\u00e4lfte von denen und es weitererz\u00e4hlen, kommt man auch auf andere Kontaktzahlen. Das ist tats\u00e4chlich eher eine sch\u00f6ne M\u00f6glichkeit darzustellen, wie der Verlag tickt. Manche Leute haben dadurch einen tieferen Einblick in die Dinge hinter den Kulissen bekommen. Das finde ich eigentlich ganz angenehm, weil ich es immer ganz sch\u00f6n finde, wenn Publisher transparent sind und nicht im Verborgenen agieren.<\/p>\n<p>Sogesehen wird f\u00fcr uns in der Zukunft das gr\u00f6\u00dfte Learning sein, dass wir eigentlich beides machen werden. Wir werden, sobald wir wieder k\u00f6nnen, sowohl Conventions bespielen, ganz sicher aber auch die Streams weitermachen, sie vielleicht sogar ausbauen. Da wir jetzt so gut durch diese Zeit gekommen sind, k\u00f6nnen wir im Moment auch investieren. Das hei\u00dft, wir bauen das Team noch ein bisschen hoch und werden Gas geben, so gut wir k\u00f6nnen. Das ist unser Learning aus Corona.<\/p>\n<p><strong>Anihabara.de: H\u00e4tten diese Ma\u00dfnahmen nicht auch unabh\u00e4ngig von der Krise funktioniert?<\/strong><\/p>\n<p>Joachim Kaps: Das ist ganz spannend, dass solche Zeiten auch positive Lerneffekte mit sich bringen. Ich glaube, wir haben alle in dieser Zeit viele Dinge privat und beruflich gelernt, die auf einmal anders gehen. Wir dachten tats\u00e4chlich fr\u00fcher auch: Wir m\u00fcssen alle im Office sein \u2013 und zwar nicht, weil ich das so wollte, sondern weil wir alle so dachten. Man kann sich durchaus so organisieren, dass man das relativ flexibel gestaltet und trotzdem alles gut weiterl\u00e4uft. Die Streams waren am Anfang ehrlich gesagt einfach nur eine Reaktion auf diesen Ausfall der Leipziger Buchmesse. Wir hatten das nicht auf dem Zettel, so was machen zu wollen. Es war ein ziemlich hartes Learning. Nach Diskussionen haben wir gesagt: Wir machen jetzt einen Stream, haben uns innerhalb von einer Woche erstmal selber die Technik f\u00fcr diese Aktion beigebracht und haben dann aber aus der Community dieses Feedback bekommen: Warum macht ihr so was nicht eigentlich \u00f6fter? Da versuchen wir schon immer zuzuh\u00f6ren. Dann haben wir erst angefangen, Skills aufzubauen \u2013 nicht unbedingt ich, sondern im Wesentlichen machen da Yentl, Julia, Schanti, Anh Tu und Johannes die technischen Sachen. Ich denke ein bisschen mit nach, was wir in den einzelnen Sendungen machen k\u00f6nnen und wen wir mal dazuholen k\u00f6nnen. Ich glaube, das erg\u00e4nzt sich ganz gut.<\/p>\n<p>Es kann gut sein, dass es diesen Stream \u00fcberhaupt nicht geben w\u00fcrde, wenn es Corona nicht gegeben h\u00e4tte. Dieses erste Wochenende war aus Frust gegen ein ausgefallenes Event! Eine zweite, spannende Sache: Als wir das zum Beispiel an diesem denkw\u00fcrdigen Wochenende mit den Autoren gemacht haben, da hat keiner von uns daran gedacht, was f\u00fcr eine Katastrophe auf uns zukommt. Das Virus war zwar angekommen, aber wir h\u00e4tten uns ja niemals zusammen in diesen engen Raum gesetzt, wenn wir da schon geahnt h\u00e4tten, was in den n\u00e4chsten Wochen auf uns zukommen w\u00fcrde. V\u00f6llig irre eigentlich! Aber das hat auch den Verlag und seine Autoren noch einmal enger miteinander verbunden. Die Autoren sind auch immer festes Element in unseren Streams. Sie h\u00e4ngen fast alle jede Woche davor, um zu gucken, was wir da erz\u00e4hlen. Vielleicht sehe ich einfach generell lieber halbvolle als halbleere Gl\u00e4ser!<\/p>\n<p><strong>Wir danken Joachim Kaps sehr herzlich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und Michael Thal \/ Altraverse f\u00fcr die Fotos. Dieses Interview wurde am 27. September vor Ort im Rahmen der DoKomi aufgezeichnet.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/anihabara.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/altraverse_dokomi_web-1809-h_1280x1280.jpg\" alt=\"Altraverse - DoKomi 2020\" width=\"100%\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikrofon ausgepackt, St\u00e4nder aufgebaut und Aufnahme: \u00dcberall, wo sich Menschen treffen, gibt es auch immer Leute, die Spannendes zu erz\u00e4hlen haben. 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