{"id":13123,"date":"2018-09-18T18:26:43","date_gmt":"2018-09-18T16:26:43","guid":{"rendered":"https:\/\/anihabara.de\/index.php\/2018\/09\/18\/interview-seiji-kishi-fuer-motion-capture-hat-einfach-das-geld-gefehlt-connichi-2018\/"},"modified":"2023-12-29T01:35:41","modified_gmt":"2023-12-29T00:35:41","slug":"interview-seiji-kishi-fuer-motion-capture-hat-einfach-das-geld-gefehlt-connichi-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anihabara.de\/index.php\/2018\/09\/18\/interview-seiji-kishi-fuer-motion-capture-hat-einfach-das-geld-gefehlt-connichi-2018\/","title":{"rendered":"Interview &#8211; Seiji Kishi: \u00bbF\u00fcr Motion Capture hat einfach das Geld gefehlt\u00ab (Connichi 2018)"},"content":{"rendered":"<p><em>Mikrofon ausgepackt, St\u00e4nder aufgebaut und Aufnahme: \u00dcberall, wo sich Menschen treffen, gibt es auch immer Leute, die Spannendes zu erz\u00e4hlen haben. Einige davon kriegen wir hin und wieder vor unsere Kamera, vor unseren Notizblock oder in Skype und Teamspeak gezogen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; margin-left: 2%;\" src=\"https:\/\/anihabara.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/49711.jpg\" alt=\"Seiji Kishi\" width=\"25%\" \/>Seiji Kishi war zur rechten Zeit am rechten Ort: Nachdem er seinen Abschluss an der renommierten Yoyogi Animation School in der Tasche hatte, als Animator bei Ajia-Do gestartet war und genug Leuten \u00fcber seinen Kindheitswunsch, Regisseur zu werden, in den Ohren gelegen hatte, befand sich die Anime-Brache gerade im Aufschwung und die Digitalisierung begann, viele Dinge zu ver\u00e4ndern. So kam es, dass er mit 28 (!) bei \u00bbKappamaki and the Sushi Kids\u00ab die Regie f\u00fchrte. Das war 2003! Vier Jahre danach traf er im Rahmen der Arbeiten an dem Anime \u00bbMy Bride is a Mermaid\u00ab dann auf Drehbuchschreiber Makoto Uezu: Sie hassten Arbeit, aber liebten Anime \u2013 ganz und gar nicht typisch f\u00fcr die ansonsten so strebsame Animationsbranche. Doch den Kunden gefiel, was sie machten, und so gelangte das Outlaw-Duo immer wieder an Auftr\u00e4ge wie \u00bbAssassination Classroom\u00ab oder \u00bbDanganronpa The Animation\u00ab f\u00fcr Studio Lerche. Eine zweite Leidenschaft sorgte in j\u00fcngster Zeit allerdings daf\u00fcr, dass man Seiji Kishi neben Meetings und seinem Schreibtisch auch an einem anderen Ort treffen kann: Fitnessstudios. Kein Wunder also, dass er vor unserem Gespr\u00e4ch am Samstagmorgen noch die Hantelbank dr\u00fcckte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eWow, warum gab es so etwas bislang noch nicht?\u201c, dachte ich damals, als ich&nbsp;\u00bb<strong>Tsuki ga Kirei\u00ab gesehen habe.&nbsp;<\/strong><\/strong><strong>An dem Projekt waren Sie als Regisseur beteiligt. W\u00fcrden Sie sagen, dass Sie so etwas wie ein bestimmtes Genre haben, woran Sie gerne arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi:<\/strong>&nbsp;Im Grunde wurde das Projekt von dem Produzenten der Serie an mich herangetragen. Es ist eine sehr pure Liebesgeschichte. Er dachte sich, dass ich so etwas noch nie zuvor gemacht habe und genau deshalb der Richtige f\u00fcr den Posten des Regisseurs w\u00e4re. Was Genres betrifft, handhabe ich es professionell: Alles, was mir aufgetragen wird, nehme ich an. Das ist mein Ansatz als Regisseur.<\/p>\n<p><strong>Hat sich in den Jahren etwas in Ihrer Arbeit ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi: <\/strong>Mit dem technische Fortschritt hat sich unsere Arbeit \u00fcber die Jahre stark ver\u00e4ndert. Nat\u00fcrlich sind aber auch ich und mein Team immer besser geworden.<\/p>\n<p><strong>Einige Ihrer bekanntesten Werke wie <strong>\u00bb<\/strong>Assassination Classroom<strong><strong>\u00ab<\/strong><\/strong> entstanden in Zusammenarbeit mit Studio Lerche. Tats\u00e4chlich f\u00fchrten Sie bei fast der H\u00e4lfte der Anime des Studios die Regie. Wie kam es, dass Sie bei so vielen Serien des Studios die Regie f\u00fchrten? Arbeiten Sie besonders gerne mit Studio Lerche zusammen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi: <\/strong>Das ist eine schwere Frage.&nbsp;Ich arbeite mittlerweile schon seit sieben Jahren mit Produzent Y\u016bji Higa und dessen Team bei Studio Lerche zusammen an Projekten \u2013 darunter unter anderem auch an \u00bbAssassination Classroom\u00ab. Wir sind mittlerweile gute Freunde und ich versteh mich ziemlich gut mit seinem Team. Es l\u00e4uft einfach ziemlich gut.<\/p>\n<p><strong>Mit Ihnen ist Makoto Uezu angereist: Der Drehbuchautor ist ein langj\u00e4hriger Wegbegleiter von Ihnen. Wie haben Sie sich kennengelernt und warum arbeiten Sie immer wieder mit ihm?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi:<\/strong> Uezu-san und ich haben das erste Mal (vor elf Jahren) zusammen an der Anime-Serie \u00bbMy Bride is a Mermaid\u00ab gearbeitet. Wir waren noch ganz frisch im Gesch\u00e4ft, wodurch zwischen uns eine gewisse Verbundenheit entstanden ist. Ich meine, so wirklich bekannt sind wir noch immer nicht und vor allem sind wir noch lange nicht an unserem Ziel angekommen, weshalb wir auch weiterhin motiviert sind, zusammen Anime zu machen.<\/p>\n<p><strong>Stichwort Lerche &amp; Makoto Uezu: Im Oktober feiert der Fantasy-Anime&nbsp;<\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>Radiant<\/strong><strong><strong>\u00ab&nbsp;<\/strong><\/strong><strong>basierend auf einem franz\u00f6sischen Comic seine Premiere. Gab es bisher Dinge, welche anders liefen, im Vergleich zu einer Produktion mit japanischem Ausgangsmaterial und greift der Anime stilistisch seine westlichen Wurzeln auf?&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi:<\/strong> Der Comic stammt zwar aus Frankreich, er geht allerdings sehr respektvoll mit japanischer Anime- und Mangakultur um. Im Grunde machen wir als japanisches Studio den Titel nun einem breiten, japanischen Publikum zug\u00e4nglich. Gerade weil es so ein ungew\u00f6hnliches Projekt ist, hatten wir aber auch von Anfang an ein weltweites Publikum vor Augen und haben den Anime entsprechend gestaltet.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wollen wir noch \u00fcber ein anderes Projekt von Ihnen reden? Im Zuge der Anime Expo 2018 haben Sie&nbsp;<\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>Kengan Ashura<\/strong><strong><strong>\u00ab<\/strong><\/strong><strong>&nbsp;vorgestellt, einen Gladiatoren-Anime, der 2019 bei Netflix erscheint. Im Trailer sah man schon den sehr eigenen Cell-Shading-Look des Anime. K\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber den Entscheidungsprozess dahinter erz\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi: <\/strong>Ich denke,&nbsp;3D-CGI wird in Japan in Zukunft definitiv an Bedeutung gewinnen und dessen Anteil an Anime-Produktionen weiterwachsen. Grunds\u00e4tzlich haben wir nicht die Gelder und Mittel, um mit amerikanischen Produzenten wie Pixar oder Dreamworks mitzuhalten, was fl\u00fcssige 3D-Arbeiten betrifft. Darum habe ich mir gedacht, dass wir es irgendwie anders l\u00f6sen m\u00fcssen. Wir haben uns dann f\u00fcr einen Bildstil entschieden, der trotz 3D-Technik mit 2D-Shadern sehr zeichnerisch und derb aussieht, um eine eigene \u00c4sthetik zu finden, die mit geringeren Mitteln als die Pixar-Filme auskommt. So eine Technik w\u00fcrde sich sicher auch f\u00fcr andere Anime anbieten. Bei einem Hybrid wie \u00bbKengan Ashura\u00ab&nbsp;stecken hinter&nbsp;handgezeichneten 2D-Elementen und computergenerierte 3D-Elementen nat\u00fcrlich zwei ganz andere Produktionsprozesse. Was die handgezeichneten Elemente angeht, gibt es allerdings gar keine so gro\u00dfen Unterschiede zu klassischen TV-Produktionen.<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie sich gegen Motion Capture entschieden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi: <\/strong>Daf\u00fcr hat einfach das Geld gefehlt. *lach* Du musst verstehen, handgezeichnete Animation sind in Japan sehr fortgeschritten und haben eine lange Tradition. So was konnte uns Motion Capture bei unserem Budget nicht bieten, weshalb wir am Handgezeichneten festhielten. Es kann nat\u00fcrlich sein, dass Technologien wie Motion Capturing in Zukunft billiger werden, das Handgezeichnete will ich allerdings auf jeden Fall nicht aufgeben.<\/p>\n<p><strong>Letzte Frage: Gibt es eine Szene in einem Anime, bei dem Sie Regie gef\u00fchrt haben, auf die Sie besonders stolz sind? K\u00f6nnen Sie die Szenen und den Denkprozess dahinter beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seiji Kishi:&nbsp;<\/strong>Es liegt nicht an meiner Person, so etwas zu beurteilen. Das entscheidet das Publikum. Manchmal gibt es nat\u00fcrlich w\u00e4hrend der Produktion Dinge, die ich besonders gut finde. Aber wenn es beim Publikum nicht ankommt, verwerfe ich es direkt wieder f\u00fcr die n\u00e4chste Produktion.<\/p>\n<p><strong>Wir danken Seiji Kishi f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und Mario Hirasaka f\u00fcr seine Hilfe als Dolmetscher.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikrofon ausgepackt, St\u00e4nder aufgebaut und Aufnahme: \u00dcberall, wo sich Menschen treffen, gibt es auch immer Leute, die Spannendes zu erz\u00e4hlen haben. 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